Betreff
Kinder- und Jugendhilfeplanung
- Fortschreibung des Kindergartenbedarfsplanes für den Zeitraum
01.08.2021 bis 31.07.2024
Vorlage
2021/319
Art
Mitteilung

Am 01.10.2021 besuchten 1310 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren die insgesamt 21 Kindertagesstätten im Stadtgebiet Laatzen. Den 1.633 Kindern der vier zu berücksichtigenden Jahrgänge stehen 1.503 Be­treu­ungsplätze zur Verfügung. Die Deckungsquote beträgt 92,0% (Vorjahr 86,3%). Den 193 am 01.10. noch nicht belegten Plätzen stehen aber noch 339* Kinder gegenüber, die bis zum Ende des laufenden Betreuungsjahres das dritte Lebensjahr vollenden werden und auf den Anmeldelisten der freien Träger und der Stadt stehen. Darüber hinaus besuchen 60 Laatzener Kinder eine Betreuungseinrichtung außerhalb des Stadtgebietes oder eine sonderpädagogische Einrichtung (Vorjahr 58).

 

Gegenüber den im vergangenen Jahr für 2020/2021 bekannten Daten hat sich die Zahl der Kinder durch Zuwanderungsgewinne (u.a. durch Bautätigkeit) erstmals seit 2013 nicht mehr erhöht.

 

Unter den betreuten Kindern befinden sich in diesem Jahr 49 schulpflichtige Kinder, deren Eltern von der sog. flexiblen Einschulung Gebrauch gemacht und sich gegen eine Einschulung entschieden haben (51,6% von insgesamt 95 „Flexikindern“). Im vergangenen Jahr waren es sogar zwei Drittel.

 

*Anmerkung: da es sich um eine trägerübergreifende Zahl handelt, können Mehrfacherfassungen nicht ausgeschlossen werden.

Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) geht in einer in Zusammenarbeit mit der TU Dortmund im vergangenen Jahr veröffentlichten Vorausberechnung zum Platz- und Personalbedarf für den Bereich der Kindertagesbetreuung bis zum Jahr 2030 davon aus, dass in den westdeutschen Bundesländern bis zum Jahr 2025 weiterhin z.T. erhebliche Anstrengungen unternommen werden müssen, um die Bedarfe zu decken. Für die zweite Hälfte der Dekade geht man derzeit von einem leichten Rückgang des Platzbedarfs aus.

 

Diese Entwicklung zeichnet sich auch für Laatzen ab. Da derzeit mittelfristig nach Abschluss des großen Baugebietes Am Erdbeerhof II keine größeren Neubaugebiete absehbar sind, deutet sich mittelfristig in einigen Stadtteilen eine rückläufige Entwicklung der Kinderzahlen an.

 

Eine Übersicht über die Situation im Gesamtstadtgebiet und in den einzelnen Stadtteilen, das derzeitige Platzangebot in den einzelnen Einrichtungen und die Belegung zum 01.10.2021 geben die beigefügten Tabellen.

 

In den einzelnen Stadtteilen stellt sich die Situation wie folgt dar:

 

In Alt-Laatzen ist das Ziel der Vollversorgung erreicht. Darüber hinaus stehen Plätze für Kinder aus anderen Stadtteilen zur Verfügung.    

 

In Grasdorf besteht zwar im aktuellen Betreuungsjahr noch ein rechnerisches Defizit, für die kommenden Jahre sind jedoch auch unter Berücksichtigung der Bautätigkeit stagnierende bzw. leicht rückläufige Zahlen ausgewiesen. 

 

Trotz der Inbetriebnahme der neuen Kita Pinienweg, die Eröffnung der Kita Ahornstraße und die Einrichtung der befristet genehmigten Übergangsgruppen an den Standorten Brucknerweg und Gutenbergstraße 15 konnte das in Laatzen bestehende Defizit aufgrund der in den letzten Jahren sprunghaft gestiegenen Kinderzahlen und des schrittweisen Auslaufens des in der GS Im Langen Feld untergebrachten Kindergartens nicht abgebaut werden. Darüber hinaus ist in der AWO-Kita Lange Weihe eine Betreuungsgruppe nunmehr im dritten Betreuungsjahr geschlossen, da es dem Träger nicht gelingt, hierfür geeignetes Personal zu finden. Eine Verbesserung der Situation wird erst Anfang 2023 durch die Inbetriebnahme der im Bau befindlichen Kita an der Würzburger Straße erreicht. Allerdings erscheint eine notwendige Verlängerung der Laufzeit mindestens einer der beiden Übergangsgruppen über den Zeitpunkt der Fertigstellung der Kita Würzburger Straße notwendig, sofern die Kinderzahl auf dem jetzigen Niveau bleibt. Alternativ hierzu sollte über die Realisierung eines weiteren Kita-Standortes nachgedacht werden.

 

Trotz rechnerischen Defizits können in Rethen entsprechend der Zahlen vom 01.10.2021 mehr Kinder im laufenden Betreuungsjahr aufgenommen werden, als angemeldet sind.

 

Mit der Inbetriebnahme der Kita St. Gertruden wurde die Vollversorgung in Gleidingen erreicht. Allerdings muss die weitere Entwicklung unter Berücksichtigung der Realisierung des Baugebietes „Am Erdbeerhof II“ im Auge behalten werden. Einem ggf. vorübergehenden Anstieg könnte beispielsweise durch eine Übergangsgruppe begegnet werden. 

 

In Ingeln-Oesselse ist der Bedarf nach derzeitigem Stand im Betrachtungszeitraum gedeckt. Für die beiden kommenden Jahre werden sinkende Kinderzahlen ausgewiesen. 

 

Die Schaffung von Ganztagsplätzen ist neben der Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch vor dem Hintergrund einer langfristigen Strategie zur Verringerung der Armutsgefährdung sozialpolitisch sinnvoll. Mittlerweile wächst fast jedes dritte Kind in Laatzen in einer Familie auf, die zur Sicherung des Lebensunterhaltes auf staatliche Transferleistungen angewiesen ist. Zahlreiche Studien belegen, dass eine nachhaltige Veränderung der aus der Armutsgefährdung für die in diesem benachteiligten Umfeld aufwachsenden Kinder nur durch eine intensive Bildungsarbeit ermöglicht werden kann. Eine längere tägliche Betreuungszeit bietet mehr Raum für die pädagogische Betreuungs- und Bildungsarbeit und ist aus o.g. Gründen auch für Kinder aus benachteiligten Familien und für Kinder mit Förderbedarf wünschenswert. Um jedoch den benötigten Zeitrahmen abdecken zu können, ist es u.U. erforderlich, ein Schichtmodell einzuführen, da die Zahl der Fachkräfte, die in Teilzeit arbeiten möchten, steigt.

 

Zwar wurde das Ganztagsangebot seit 2012 u.a. durch die Einrichtung von gemischten Gruppen mehr als verdoppelt (+434 Plätze), dem anhaltenden Bedarf kann allerdings durch die Umwandlung immer weniger nachgefragter Halbtagsplätze nur bedingt entsprochen werden, da die Fachkräfte nicht mehr im erforderlichen Maß zur Verfügung stehen (zum Problem des zunehmenden Fachkräftemangels siehe ausführlich Drucksache 2021/315).

Im Bereich der Sprachförderung zeigt sich, dass der Bedarf seit 2013 stetig gestiegen ist. Im laufenden Betreuungsjahr sind es 541 Kinder, das entspricht einer Quote von 40,4 % (Vorjahre 2020= 512; 2019 = 480; 2018 = 520… 2013 = 282). Besonders groß ist der Bedarf in den Halbtagsgruppen und den Einrichtungen mit einem hohen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Kindern, die zusätzliche therapeutische Angebote wie Logopädie, Ergotherapie oder Frühförderung, die außerhalb der Einrichtungen stattfinden, benötigen. Im laufenden Betreuungsjahr sind dies 317 Kinder (= 23,5%).

 

In den Einrichtungen im Stadtgebiet haben nach den Angaben der Kindertagesstätten 52,8% der Kinder einen Migrationshintergrund. (2020 = 54,4%; ...2016= 55,0%;… 2012= 37,9 %).

 

In acht Laatzener Kindertagesstätten liegt der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund über 50%.

 

Kindertagesstätte

Migrationsanteil

Marktplatz

95,8%

Thomaskindergarten

85,9%

Ahornstraße

84,9%

Wülferoder Straße

80,3%

Rathausstraße

79,2%

Brucknerweg

74,8%

AWO Lange Weihe

73,3%

An der Masch

69,7%

 

Im Stadtgebiet können in sieben Integrationsgruppen (Thomaskindergarten 2 Gruppen, Kindertagesstätte der AWO in der Langen Weihe 2 Gruppen, Kath. Kindergarten St. Mathilde, Familienzentrum und Ev. Kindergarten St. Nicolai jeweils 1 Gruppe) bis zu 28 Kinder mit einer Behinderung betreut werden.

 

Derzeit sind alle Integrationsplätze belegt. Alle Kinder mit einem anerkannten Bedarf konnten aufgenommen werden.

 

Der Ländermonitor Frühkindliche Bildung der Bertelsmann-Stiftung listet u.a. die Betreuungsquoten, und den Anteil der Ganztagsbetreuung für alle Jugendamtsbezirke der Bundesrepublik auf, so dass in der nachfolgenden Tabelle die Daten für die Stadt Laatzen mit den Werten des Landes Niedersachsen und dem Bund verglichen werden können. Leider darf der Erzieher-Kind-Schlüssel aufgrund datenschutzrechtlicher Vorgaben nicht mehr veröffentlicht werden. Die Zahlen in der nachfolgenden Tabelle stammen daher aus dem Jahr 2019. Dabei ist anzumerken, dass der von der Bertelsmann-Stiftung empfohlene Erzieher-Kind-Schlüssel von 1:7,5 sehr hohe Maßstäbe setzt.   

 

Stand 1.3.2020

Betreuungsquote

3-6jährige

Anteil Kinder mit Migrations-

hintergrund

Anteil

Ganztags-

betreuung

Erzieher-Kind-Schlüssel (2019)

Bund

92,9%

21,0%

52,9%

1:9,5

Niedersachsen

92,0%

17,0%

    40,7%

1:8,0

Region Hannover

90,5%

31,7%

48,3%

1:8,5

Stadt Laatzen

 92,2%

  38,8%*

46,2%

1:7,4

** Wert weicht von der eigenen Erhebung ab

 

 

Im Auftrag

 

 

 

Thomas Schrader