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Name:2018/287  
Art:Mitteilung  
Datum:16.10.2018  
Betreff:Kinder- und Jugendhilfeplanung
- Fortschreibung des Kindergartenbedarfsplanes für den Zeitraum 01.08.2018 bis 31.07.2021
DokumenttypBezeichnungAktionen
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Am 01.10.2018 besuchten 1222 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren die insgesamt 17 Kindertagesstätten im Stadtgebiet Laatzen. Den 1.534 Kindern der vier zu berücksichtigenden Jahrgänge standen zu diesem Zeitpunkt 1.321 Be­treu­ungsplätze zur Verfügung. Die Deckungsquote betrug 86,1%. Durch die im November in Betrieb gehenden neuen Kindertagesstätten Rathausstraße, Ahornstraße und die Erweiterung des Platzangebotes in der DRK-Kita Barmklagesweg erhöht sich das Platzangebot in den kommenden Wochen auf 1440 Plätze. In den nachfolgenden Tabellen sind diese Plätze bereits berücksichtigt. Die Deckungsquote erhöht sich auf 93,3%. Zwar waren am 01.10.noch 218 Plätze nicht belegt, bis zum Ende des Betreuungsjahres stehen aber noch 307 Kinder auf den Anmeldelisten der freien Träger und der Stadt. Darüber hinaus besuchen 71 Laatzener Kinder eine Betreuungseinrichtung außerhalb des Stadtgebietes oder eine sonderpädagogische Einrichtung.

 

Gegenüber den im vergangenen Jahr für 2018/2019 bekannten Daten hat sich die Zahl der Kinder durch Zuwanderungsgewinne nochmals leicht um 15 erhöht. Im Zeitraum seit 2013 ist die Kinderzahl kontinuierlich um 174 bzw. +12,8% gestiegen. Eine höhere Kinderzahl hat es laut hier noch vorhandener Daten mindestens seit 1990 in Laatzen nicht gegeben. Auch wenn durch die Schaffung der neuen Einrichtungen die Versorgungsquote erhöht wird, besteht in Laatzen-Mitte sowie in Rethen und Gleidingen die Notwendigkeit der Schaffung weiterer Kindergartenplätze. 

 

Das „Fachkräftebarometer Frühe Bildung“ (Hrsg.: Deutsches Jugendinstitut, München, 2017) geht auf der Basis der Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes bis zum Jahr 2021 von einem sich verlangsamenden Anstieg der Kinderzahlen und einem leichten Rückgang ab 2022 aus, allerdings wird auch die Befürchtung geäußert, dass das Statistische Bundesamt die Anzahl der Geburten möglicherweise unterschätzt. Darüber hinaus ist die weitere Entwicklung kaum einschätzbar. So ist z.B. unklar, in welche Richtung sich der jetzige Trend des Zuzugs junger Familien nach Laatzen und der Nachzug Familienangehöriger von Flüchtlingen entwickeln wird. Zum Ende des Betreuungsjahres 2017/2018 belief sich die Zahl der in den Kindergartengruppen betreuten Kinder mit Fluchterfahrung auf 102 = 8,0% (Vorjahr 55).

 

Eine Übersicht über die Situation im Gesamtstadtgebiet und in den einzelnen Stadtteilen, das derzeitige Platzangebot in den einzelnen Einrichtungen und die Belegung zum 01.10.2018 geben die beigefügten Tabellen. In den einzelnen Stadtteilen stellt sich die Situation wie folgt dar:

 

In Alt-Laatzen ist das Ziel der Vollversorgung durch die Inbetriebnahme der 50 neuen Plätze in der Kita Rathausstraße erreicht. Auch die durch die Bautätigkeit zusätzlich zu erwartenden Kinder können alle in Alt-Laatzen ein Platzangebot erhalten. Darüber hinaus stehen auch noch einige Plätze für Kinder aus anderen Stadtteilen zur Verfügung. Die Einrichtung ist verkehrsgünstig gelegen und könnte damit insbesondere für Eltern interessant sein, die in Hannover arbeiten.  

 

In Grasdorf ist die Zahl der Kinder gegenüber dem letzten Jahr um 20,7% (+18) gestiegen, sodass vorübergehend ein rechnerisches Defizit besteht, da für die kommenden Jahre stagnierende bzw. leicht rückläufige Zahlen (auch unter Berücksichtigung der Bautätigkeit) ausgewiesen sind. In Hannover arbeitende Familien aus Grasdorf hätten die Möglichkeit auf Betreuungsplätze in Alt-Laatzen auszuweichen.

 

Bestand in den letzten Jahren in Laatzen-Mitte (siehe Drucksache 2016/246) das größte Defizit, so konnte dieses durch die zum Beginn des letzten Betreuungsjahres erfolgte Inbetriebnahme der befristet genehmigten Übergangsgruppen an den Standorten Brucknerweg und Gutenbergstraße 15 sowie der Eröffnung der angemieteten Kita Ahornstraße im November die Betreuungssituation verbessert werden. Da jedoch der Kindergarten Im Langen Feld aufgrund des Raumbedarfs der Grundschule schrittweise aufgegeben werden muss, die Kinderzahl weiter steigt (von 2015/16 bis 2020/21 um mindestens 61 Kinder) und ein weiterer Zuwachs durch das Baugebiet an der Deutschen Rentenversicherung zu erwarten ist, wird eine dauerhafte Sicherstellung erst mittelfristig durch die Realisierung der beiden bereits beschlossenen Neubauten im Kiefernweg und an der Würzburger Straße (siehe Drucksache 2017/205/1) erreicht. Auf jeden Fall zeichnet sich eine notwendige Verlängerung der Laufzeit der beiden Übergangsgruppen bis zur Fertigstellung der Kita Würzburger Straße ab. 

 

Das in Gleidingen bestehende Defizit kann durch die im Baugebiet „Am Erdbeerhof“ geplante neue Kindertagesstätte aufgefangen werden. War noch im vergangenen Jahr von einer Fertigstellung frühestens im Jahr 2022 und damit verbunden, von einer Übergangslösung vor der bestehenden Kita Schützenstraße ausgegangen worden, hat sich diese Situation zwischenzeitlich dahingehend verändert, dass mit der Baumaßnahme Am Erdbeerhof  im kommenden Jahr begonnen werden und die Inbetriebnahme bereits in 2020 erfolgen kann. Die abschließende Entscheidung über die Trägerschaft soll ebenso wie die Auftragsvergabe für die Planung in der Rats- bzw. VA-Sitzung am 18.10. erfolgen. Der Einzugsbereich der neuen Einrichtung wird insbesondere das neue Baugebiet entlang der B 6 und somit Teile der Ortschaften Gleidingen und Rethen umfassen. Dem und der aktuellen demografischen Entwicklung Rechnung tragend, werden die insgesamt 75 geplanten Kindergartenplätze in der Fortschreibung der Bedarfsplanung im Verhältnis 25 (Gleidingen) zu 50 (Rethen) berücksichtigt bzw. zugeordnet, da nach derzeitiger Datenlage den durch das Baugebiet in Gleidingen zusätzlich zu erwartenden Kindern deutlich rückläufige Zahlen im Bestand gegenüber stehen.

 

In Rethen besteht aktuell, bedingt durch steigende Kinderzahlen und den zu erwartenden weiteren Zuwachs aufgrund der Baugebiete entlang der B 6 (Am Erdbeerhof) und in der Sehlwiese, rechnerisch das größte Defizit und somit der dringendste Handlungsbedarf in Rethen. Aufgrund des übergreifenden Einzugsgebietes werden daher, wie oben beschrieben, der aktuellen demografischen Entwicklung Rechnung tragend, zwei Gruppen (50 Plätze) der neuen Kita Am Erdbeerhof  in der Bedarfsplanung Rethen zugeordnet.

 

In Ingeln-Oesselse konnten durch die erfolgte Verlagerung der bisherigen Hortkleingruppe aus der Kita Barmklagesweg in das Vereinsheim des TSV seit dem 2.Quartal 2017 zunächst 10 zusätzliche Kindergartenkinder aufgenommen werden. Durch den nunmehr abgeschlossenen Ausbau des Gebäudes Gleidinger Straße 12 stehen im Bedarfsfall bis zu 25 neue Kindergartenplätze zur Verfügung. Damit kann der Bedarf nach derzeitigem Stand im Betrachtungszeitraum vollständig gedeckt werden. 

 

Die Schaffung von Ganztagsplätzen ist neben der Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch vor dem Hintergrund einer langfristigen Strategie zur Verringerung der Armutsgefährdung sozialpolitisch sinnvoll. Mittlerweile wächst fast jedes dritte Kind in Laatzen in einer Familie auf, die zur Sicherung des Lebensunterhaltes auf staatliche Transferleistungen angewiesen ist. Zahlreiche Studien belegen, dass eine nachhaltige Veränderung der aus der Armutsgefährdung für die in diesem benachteiligten Umfeld aufwachsenden Kinder nur durch eine intensive Bildungsarbeit ermöglicht werden kann. Eine längere tägliche Betreuungszeit bietet mehr Raum für die pädagogische Betreuungs- und Bildungsarbeit und ist aus o.g. auch für Kinder aus benachteiligten Familien und für Kinder mit Förderbedarf wünschenswert.

 

Zwar wurde das Ganztagsangebot seit 2012 u.a. durch die Einrichtung von gemischten Gruppen um 70% (=232 Plätze) erhöht, dem anhaltenden Bedarf kann allerdings durch die Umwandlung immer weniger nachgefragter Halbtagsplätze nur bedingt entsprochen werden, da die Fachkräfte nicht mehr im erforderlichen Maß zur Verfügung stehen. Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) kommt im Rahmen einer Studie zu dem Ergebnis, dass bis zum Jahr 2025 für die Betreuung der Kinder von der Krippe bis zum Ende der Grundschulzeit bundesweit bis zu 600.000 zusätzliche Fachkräfte benötigt werden, davon allein für die Betreuung der Drei-bis Sechsjährigen etwa 270.000. So wird auch die von der Großen Koalition geplante Einführung eines Rechtsanspruches auf eine Ganztagsbetreuung für Kinder im Grundschulalter zu einem weiteren Platzbedarf führen. Die Ausbildungsplatzkapazitäten müssten daher dringend erhöht werden. Nach derzeitigem Stand werden lt. DJI-Studie 2025 über 300.000 Fachkräfte fehlen.

 

Im Bereich der Sprachförderung zeigt sich, dass der Bedarf in den letzten Jahren stetig gestiegen ist: im abgelaufenen Betreuungsjahr 2017/2018 waren es 520 Kinder, das entspricht einer Quote von 40,6% (Vorjahre 2017= 401; 2016 = 385; 2015 = 371; 2014 = 303; 2013 = 282). Besonders hoch ist der Bedarf in den Halbtagsgruppen und den Einrichtungen mit einem hohen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund. Die vom Land beschlossene Zusammenführung der Sprachförderung im Elementarbereich und der vorschulischen Sprachförderung im letzten Jahr vor der Einschulung ("Fit in Deutsch") in die Kompetenz der Kindertagesstätten mit dem Ziel der alltagsintegrierten Sprachbildung und -förderung wird aus fachlicher Sicht begrüßt. Die erforderlichen Mittel zur Finanzierung der zusätzlichen Stellen erfolgt vollständig aus Landesmitteln. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Kindern, die zusätzliche therapeutische Angebote wie Logopädie, Ergotherapie oder Frühförderung, die außerhalb der Einrichtungen stattfinden, benötigen. Im abgelaufenen Betreuungsjahr waren dies 304 Kinder(=23,7%).

 

In den Einrichtungen im Stadtgebiet hatten nach den Angaben der Kindertagesstätten im abgelaufenen Betreuungsjahr 51,3% der Kinder einen Migrationshintergrund. (2017 = 51,2%; 2016= 55,0%; 2015 =47,5%; 2014= 46,0 %; 2013= 45,6%; 2012= 37,9 %).

 

In sieben Laatzener Kindertagesstätten (darunter alle Einrichtungen in Laatzen-Mitte) liegt der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund über 50%.

 

Kindertagesstätte

Migrationsanteil

Im Langen Feld

93,5 %

Marktplatz

92,5 %

AWO Kita, Lange Weihe

86,4 %

Brucknerweg

76,4 %

Thomaskindergarten

73,4 %

Die Insel

59,7 %

Wülferoder Straße

57,3 %

 

Im Stadtgebiet können in sieben Integrationsgruppen (Thomaskindergarten 2 Gruppen, Kindertagesstätte der AWO in der Langen Weihe 2 Gruppen, Kath. Kindergarten St. Mathilde, Familienzentrum und Ev. Kindergarten St. Nicolai jeweils 1 Gruppe) bis zu 27 Kinder mit einer Behinderung betreut werden.

 

Derzeit sind alle Integrationsplätze belegt. Alle Kinder mit einem anerkannten Bedarf konnten aufgenommen werden. In den geplanten Neubauten werden die entsprechenden Voraussetzungen zur Aufnahme von Kindern mit entsprechendem Förderbedarf vorgesehen.

 

 

Im Auftrag

 

 

 

Thomas Schrader