BezeichnungInhaltBezeichnungInhalt
Name:2017/312  
Art:Mitteilung  
Datum:13.10.2017  
Betreff:Kinder- und Jugendhilfeplanung
Krippen- und Kindertagespflegeausbauplanung
für den Zeitraum 2016 bis 2018
DokumenttypBezeichnungAktionen
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Dokument anzeigen: 312-2017-Anlage Dateigrösse: 51 KB 312-2017-Anlage 51 KB

 

Zur Sicherstellung eines bedarfsgerechten Platzangebotes und der Gewährleistung des seit dem 01.08.2013 geltenden Rechtsanspruches für alle Kinder ab vollendetem 1. Lebensjahr sind die Träger der öffentlichen Jugendhilfe gemäß § 24 a SGB VIII verpflichtet, jährliche Ausbaustufen zur Verbesserung des Versorgungsniveaus zu beschließen und über eventuell notwendige Anpassungen zu entscheiden.

 

Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) hatte im Auftrag des Bundes im Rahmen einer Untersuchung einen bundesdurchschnittlichen Bedarf von rund 39 % ermittelt (Quelle: DStGB Aktuell 3412 vom 24. August 2012, S. 12 f). Verteilt auf die drei Jahrgänge ergaben sich folgende Quoten: 0 ‑ 1jährige = 5 %; 1 ‑ 2jährige = 56 %; 2‑ 3jährige = 56 %.

 

Die vom statistischen Bundesamt jährlich zu ermittelnden Betreuungsquoten für Kinder unter drei Jahren in Krippenbetreuung und Tagespflege zum Stichtag 01.03.2017 für den Bund und die einzelnen Länder lagen bis zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Drucksache noch nicht vor. 2016 betrug die Quote bundesweit 32,7 %, in Niedersachsen betrug sie zum gleichen Zeitpunkt 28,4 %. 

 

Je nach örtlich bedingtem Bedarf können die Versorgungsquoten auch niedriger oder höher angesetzt werden. So rechnet der Deutsche Städtetag in Großstädten mit einer Nachfrage zwischen 40 und 50 %. Diese Zahl dürfte wegen der unmittelbaren Großstadtrandlage auch auf Laatzen übertragbar sein. Vor diesem Hintergrund hat der Rat der Stadt Laatzen mit der Drucksache 2012/275 eine anzustrebende Versorgungsquote für Kinder unter drei Jahren von 35,0 % bzw. für die beiden Jahrgänge der ein- und zweijährigen Kinder von 56,0 % beschlossen.

 

Situation im Stadtgebiet Laatzen

 

Zum Stichtag 01.10. stehen im Stadtgebiet 200 Krippenplätze zur Verfügung. Daneben werden noch 20 Laatzener Kinder in Krippen außerhalb des Stadtgebietes betreut. Eine Übersicht über das Krippenangebot kann der Tabelle 1 entnommen werden.

                                                                                                                 

Tabelle 1:  Krippenplätze

Stand: 01.10.2017

 

 

 

 

 

 

Einrichtung

Platzangebot

belegt

Auslastung

in %

Warteliste: Aufnahme erwünscht mit…

 

 

 

 

1 Jahr

2 Jahren

An der Masch

15

15

100,0%

11

11

St. Mathilde

15

14

93,3%

St. Marien, Ohestraße

4

4

100,0%

 

 

Sudewiesenstraße

45

38

84,4%

5

3

Hermes Kids (Messe)

5

4

80,0%

24

29

Thomaskindergarten

15

13

86,7%

Marktplatz

15

12

80,0%

Wülferoder Straße

15

12

80,0%

Brucknerweg

13+1*

13+1

100,0%

Familienzentrum

25+2*

22+2

88,9%

36

11

Sehlwiese

15

13

86,7%

Gleidingen

15

13

 86,7% 

19

9

Ingeln-Oesselse

0

 

 

9

3

Insgesamt

197+3* (200)

169

90,9%

104

66

 

* Integrationsplätze ‑ hierdurch ist eine Reduzierung der Gruppengröße erforderlich

 

In der Tagespflege sind aktuell 42 aktive Tagespflegepersonen (TPP) registriert (Vorjahr 46; 2015 = 48). Alle registrierten Tagespflegepersonen verfügen über eine qualifizierte Pflegeerlaubnis. Das Platzangebot ist gegenüber den beiden Vorjahren von 171 auf aktuell 147 Plätze gesunken, da einige TPP nicht mehr aktiv sind oder ihre Tätigkeit zeitlich befristet unterbrochen haben (z. B. eigene Elternzeit). Von den insgesamt 147 zur Verfügung stehenden Plätzen sind derzeit 141 belegt, darunter 122 mit Kindern unter drei Jahren. 17 Plätze sind mit Kindern aus anderen Kommunen belegt. Diese Plätze werden ebenso wie die mit Selbstzahlern belegten Plätze nicht durch die Stadt Laatzen gefördert. Die meisten TPP bieten eine Mindestbetreuungszeit von täglich sechs Stunden an. Die Abdeckung der Zeiten zwischen 8.00 und 16.00 Uhr ist in der Regel unproblematisch. Obwohl einige TPP auch Randbetreuungszeiten anbieten, ist eine Vermittlung hier schwierig, da lediglich eine Tagespflegestelle Kinder bei Bedarf auch am Wochenende und über Nacht betreut. Im Urlaubs‑ und Krankheitsfall vertreten sich die Tagespflegepersonen, soweit es die Betreuungssituation zulässt, gegenseitig. Darüber hinaus gibt es einen Vorhalteplatz in einer Großtagespflegestelle. Neben den Einzel-TPP, die je nach Pflegeerlaubnis bis zu fünf Tagespflegekinder gleichzeitig betreuen können, gibt es drei Großtagespflegestellen (GTP). In den GTP können bis zu drei Tagespflegepersonen zusammenarbeiten, so dass gleichzeitig, je nach Qualifikation, bis zu acht bzw. zehn Kinder gleichzeitig betreut werden dürfen. Eine neue Großtagespflegestelle in Alt‑Laatzen befindet sich im Aufbau und wird voraussichtlich ab Anfang 2018 bis zu 10 Tageskinder aufnehmen können. 

 

Die Quote der in Laatzen in Tagespflege betreuten Kinder unter drei Jahren liegt bei 10,3 % (Vorjahr 15,4 %).

 

           Tabelle 2: Tagespflegeplätze                                              Stand: 01.10.2017

 

Stadtteil

Derzeit max. belegbare Plätze

belegt

davon U3

Auslastung in %

 

 

 

 

 

Alt -Laatzen

11

10

5

90,9%

Grasdorf

0

-

-

-

Laatzen-Mitte

43

43

36

100,0%

Rethen

48

48

45

100,0%

Gleidingen

18

16

16

88,9%

Ingeln-Oesselse

27

24

20

88,9%

 

 

 

 

 

Insgesamt

147

141

122

95,9%

 


Die Altersgruppe der unter Einjährigen spielt bei der Berechnung der erforderlichen Versorgung in Laatzen keine Rolle. Diese Tendenz entspricht der gesamtdeutschen Situation. Die Betreuungsquote für diesen Altersjahrgang liegt bundesweit bei 2,6 %, in Niedersachsen bei 1,8 % (Quelle: Statistisches Bundesamt). Z. Zt. wird in Laatzen kein Kind (Vorjahr 2) dieses Jahrgangs durch eine Tagespflegeperson betreut. In der Regel nehmen die Eltern das Elterngeld in Anspruch.

 

Unter Einbeziehung der z. Zt. 147 für die Tagespflege zur Verfügung stehenden Plätze und der 200 Krippenplätze stehen für die 1‑ und 2jährigen im Stadtgebiet insgesamt 347 Betreuungsplätze zur Verfügung. Die Versorgungsquote beträgt 42,1 % (Vorjahr 46,7 %; 2015 = 50,9 %; 2014 = 51,8 %). Bezogen auf die 0‑ bis unter 3‑jährigen beträgt sie 29,3 % (Vorjahr 30,7 %; 2015 = 33,3 %; 2014 = 35,2 %).

 

Wie bereits in der letzten Fortschreibung prognostiziert, ist die Zahl der Kinder nochmals angestiegen, so dass die angestrebte Deckungsquote von 56,0 % erneut nicht erreicht wurde. Innerhalb von nur zwei Jahren ist die Zahl der Ein‑ und Zweijährigen um 119 gestiegen. Für das kommende Jahr sind statistisch bislang 778 Ein‑ und Zweijährige erfasst. Das entspräche zwar einem Rückgang von 46 Kindern gegenüber 2017, unter Berücksichtigung der Bautätigkeit ist jedoch für 2018 von mindestens 14 zusätzlichen Kindern auszugehen (2019 = + 27). Nicht eingeschätzt werden kann die weitere Entwicklung des Zuzugs junger Familien und der Nachzug von Familienangehörigen Geflüchteter. Erfahrungsgemäß lagen bislang die tatsächlichen Zahlen über jenen der Geburtenstatistik.

 

Durch die Eröffnung der beiden Krippengruppen in der neuen Kindertagesstätte Rathausstraße in AltLaatzen sowie der Krippengruppe in der erweiterten Kita Barm­klagesweg in IngelnOesselse werden im kommenden Betreuungsjahr 2018/2019 im Stadtgebiet 245 Krippenplätze zur Verfügung stehen. Unter Einbeziehung der z. Zt. verfügbaren 147 Tagespflegeplätze wird das Betreuungsangebot dann insgesamt 392 Plätze für Kinder unter drei Jahren umfassen. Die Versorgungsquote für die Ein- und Zweijährigen wird dann knapp über 50 % liegen, die vom Rat beschlossene Versorgungsquote wird jedoch nicht erreicht.

 

Der Anteil an Krippenplätzen entspricht 2017/18 mit 43,4 % bzw. in 2018/19 mit 56,1 % am Gesamtbetreuungsangebot U3 nach wie vor nicht der angenommenen Mischquote von mindestens 70 %. Laut statistischem Bundesamt wünschen im Bundesdurchschnitt sogar rund 85 % der Eltern eine Krippenbetreuung und nur 15 % einen Platz in Form der Kindertagespflege (Quelle: destatis). Zwar kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich ein Ausbau der Krippenbetreuung nachteilig auf die Auslastung der Tagespflegeplätze auswirkt. Da allerdings institutionalisierte Plätze dem Träger der Jugendhilfe langfristig eine höhere Planungssicherheit bieten, sollte weiterhin grundsätzlich an einem Ausbau des Angebotes von Krippenplätzen festgehalten und dieses nachfrageabhängig umgesetzt werden, zumal mittelfristig aufgrund der geplanten bzw. bereits projektierten Wohnbauentwicklung mit weiterem Familienzuzug zu rechnen ist und dem Fehlbedarf nur durch die Schaffung zusätzlicher Krippenplätze begegnet werden kann.

 

Wie der nachfolgenden Übersicht entnommen werden kann, besteht im laufenden Betreuungsjahr weiterhin ein Fehlbedarf insbesondere in AltLaatzen, LaatzenMitte und  ‑ trotz der Schaffung der neuen Krippe ‑ in Gleidingen.

 

In AltLaatzen wird sich die Situation mit der Inbetriebnahme der beiden Krippengruppen in der neuen Kita Rathausstraße im Herbst 2018 entscheidend verbessern.

 

In LaatzenMitte wird eine dauerhafte Sicherstellung eines bedarfsgerechten Krippenangebotes erst mittelfristig durch die Realisierung der beiden vom Rat bereits grundsätzlich beschlossenen Neubauten im Kiefernweg und an der Würzburger Straße (siehe Drucksache 2017/205/1) erreicht. Beide Einrichtungen sollen nach derzeitigem Stand u. a. auch jeweils zwei Krippengruppen erhalten.

 

Wie in der Fortschreibung der Kindergartenbedarfsplanung (Drucksache  2017/307) dargelegt, ist in Gleidingen im Zuge der Entwicklung des Bebauungsplans „Am Erdbeerhof“ auch die Schaffung einer neuen Kindertagesstätte vorgesehen, die neben Betreuungsplätzen für 3 ‑ 6jährige auch über eine Krippe verfügen sollte. Da mit einer Inbetriebnahme jedoch nach jetzigem Stand nicht vor dem Jahr 2022 zu rechnen ist, sollte bis zur Fertigstellung eine Überbrückung durch die Aufstellung einer Anlage in Modulbauwiese auf einem Teil des Bolzplatzes vor der bestehenden Kindertagesstätte Schützenstraße geprüft werden.

 

Im Auftrag

 

 

 

Thomas Schrader