BezeichnungInhaltBezeichnungInhalt
Name:2017/307  
Art:Mitteilung  
Datum:12.10.2017  
Betreff:Kinder- und Jugendhilfeplanung
Fortschreibung des Kindergartenbedarfsplanes für den Zeitraum
01.08.2017 bis 2020
DokumenttypBezeichnungAktionen
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Dokument anzeigen: 307-2017-Anlage-Kita-Bedarfsplan 2017 Dateigrösse: 252 KB 307-2017-Anlage-Kita-Bedarfsplan 2017 252 KB

Den 1.505 Kindern der vier zu berücksichtigenden Jahrgänge stehen 1.331 Be­treu­ungsplätze in 17 Kindertagesstätten zur Verfügung. Die Deckungsquote beträgt 88,4 %. Zum 01.10.2017 befanden sich 1.209 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren in den Betreuungseinrichtungen (Auslastung 90,8 %). Darüber hinaus besuchen 78  Laatzener Kinder eine Betreuungseinrichtung außerhalb des Stadtgebietes oder eine sonderpädagogische Einrichtung. 122 Plätze waren am 01.10. zwar noch nicht belegt, bis zum Ende des Betreuungsjahres werden aber 247 angemeldete Kinder das dritte Lebensjahr vollenden.

 

Gegenüber den im vergangenen Jahr für 2017/2018 bekannten Daten hat sich die Zahl der Kinder durch Zuwanderungsgewinne um 26 erhöht (Vorjahr + 82). Im Zeitraum seit dem 01.08.2014 sind es insgesamt sogar 221 Kinder bzw. + 17,2 %. Eine vergleichbar hohe Kinderzahl gab es in Laatzen letztmalig vor 24 Jahren (drei Jahre vor Einführung des Rechtsanspruches). Zu den Ursachen siehe Kita‑Be­darfs­planung 2016; Drucksache 2016/300. Dabei ist bemerkenswert, dass überhaupt nur in jedem vierten Laatzener Haushalt mindestens ein Kind bzw. Jugendlicher unter 18 Jahren lebt. Durch die Einrichtung der beiden temporär genehmigten Übergangsgruppen in der Gutenbergstraße und in der Kita Brucknerweg konnte ein weiteres Absinken der Versorgungsquote verhindert werden. Zwar hat sich der Anstieg der Kinderzahlen verringert, allerdings besteht durch die Ausweisung größerer Baugebiete insbesondere in Laatzen‑Mitte und Gleidingen weiterhin die Notwendigkeit der Schaffung weiterer Kindergartenplätze.

 

Das jüngste „Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2017“ (Hrsg.: Deutsches Jugendinstitut, München) geht auf der Basis der Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes bis zum Jahr 2021 von einem sich verlangsamenden Anstieg der Kinderzahlen und einem leichten Rückgang ab 2022 aus, allerdings wird auch die Befürchtung geäußert, dass das Statistische Bundesamt die Anzahl der Geburten möglicherweise unterschätzt. Darüber hinaus ist die weitere Entwicklung kaum einschätzbar. So ist z. B. unklar, in welche Richtung sich der jetzige Trend des Zuzugs junger Familien nach Laatzen und der Nachzug Familienangehöriger von Flüchtlingen entwickeln wird. Zum Ende des Betreuungsjahres 2016/2017 belief sich die Zahl der in den Kindergartengruppen betreuten Kinder mit Fluchterfahrung auf 55.

 

Eine Übersicht über die Situation im Gesamtstadtgebiet und in den einzelnen Stadtteilen, das derzeitige Platzangebot in den einzelnen Einrichtungen und die Belegung zum 01.10.2017 geben die beigefügten Tabellen. In den einzelnen Stadtteilen stellt sich die Situation wie folgt dar:

 

In Alt‑Laatzen steigen die Kinderzahlen im Planungszeitraum weiterhin kontinuierlich an (insgesamt um rund 20 %), so dass trotz der im vergangenen Jahr erfolgten Aufstockung einer Kleingruppe in der Kita An der Masch, wie prognostiziert, ein erneuter Fehlbedarf entstanden ist. Eine grundlegende Änderung wird durch die Inbetriebnahme der bereits beschlossenen Einrichtung einer neuen Kindertagesstätte (u. a. mit zwei Kindergartengruppen) im D‑Trakt der Grundschule Rathausstraße erreicht (siehe Drucksache 2016/322/14). Der Umbau beginnt nach den Herbstferien 2017 und soll bis zum Ende des dritten Quartals 2018 beendet sein. Durch die hierdurch entstehenden 50 zusätzlichen Betreuungsplätze für 3 ‑ 6jährige kann der Bedarf auch unter Berücksichtigung der Wohnungsbau‑Entwicklung gedeckt werden.

 

In Grasdorf steigt die Zahl der Kinder im Betrachtungszeitraum ebenfalls an. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass auch in der Kita Sudewiesenstraße mit ihrem stadtweiten Einzugsbereich in nicht unerheblichem Maß Grasdorfer Kinder betreut werden (aktuell sind es 18 Kinder), reicht das Platzangebot rechnerisch zwar grundsätzlich noch aus, allerdings könnten Engpässe durch Kinder insbesondere aus Rethen entstehen, für die eine Betreuung in den beiden Grasdorfer Einrichtungen gewünscht wird (z. Zt. sind es 18 Kinder).

 

Wie bereits mit der Drucksache 2016/246 ausführlich beschrieben, besteht in Laatzen‑Mitte das derzeit größte Defizit und somit der dringendste Handlungsbedarf. Mit der zum Beginn des Betreuungsjahres erfolgten Inbetriebnahme der befristet genehmigten Übergangsgruppen an den Standorten Brucknerweg und Gutenbergstraße 15 sowie der Eröffnung der angemieteten Kita Ahornstraße wird sich die Betreuungssituation bis zum Beginn des Betreuungsjahres 2018/2019 zwar deutlich verbessern. Da jedoch der Kindergarten Im Langen Feld aufgrund des Raumbedarfs der Grundschule schrittweise aufgegeben werden muss, wird eine dauerhafte Sicherstellung jedoch erst mittelfristig durch die Realisierung der beiden bereits grundsätzlich beschlossenen Neubauten im Kiefernweg und an der Würzburger Straße (siehe Drucksache 2017/205/1) erreicht.

 

In Gleidingen besteht neben Laatzen-Mitte der größte Handlungsbedarf. Unter Berücksichtigung der baulichen Entwicklung werden kurz‑ bis mittelfristig zwei Kindergartengruppen und eine weitere Krippengruppe benötigt. Im Zuge der geplanten Entwicklung des Baugebietes „Am Erdbeerhof“ soll der Stadt eine Teilfläche zur Errichtung einer neuen Einrichtung übereignet werden. Mit einer Inbetriebnahme wäre jedoch nach jetzigem Stand frühestens 2022 zu rechnen. Eine Überbrückung bis zur Fertigstellung wäre grundsätzlich durch die Aufstellung einer Anlage in Modulbauwiese auf einem Teil des Bolzplatzes vor der bestehenden Kindertagesstätte Schützenstraße möglich. Um den zusätzlichen Flächenbedarf zu minimieren, könnte das sehr großzügige Außengelände der bestehenden Kita mitgenutzt werden. Der erforderliche finanzielle Aufwand müsste kurzfristig ermittelt werden, um in 2018 mit der Umsetzung der Maßnahme beginnen zu können. Ebenfalls wäre eine sinnvolle Nachnutzung des Baus zu prüfen.

 

Da auch in Rethen derzeit ein Bedarf für eine zusätzliche Gruppe besteht und es eine kurzfristige Alternative derzeit vor Ort nicht gibt, sollte eine Anbindung an die oben vorgeschlagene Übergangseinrichtung in Gleidingen in Erwägung gezogen werden, zumal der spätere Neubau im Baugebiet „Erdbeerhof“ das beide Ortschaften berührende neue Wohngebiet abdecken würde.

 

In Ingeln‑Oesselse konnten durch die erfolgte Verlagerung der bisherigen Hortkleingruppe aus der Kita Barmklagesweg in das Vereinsheim des TSV seit dem 2. Quartal 2017 zunächst 10 zusätzliche Kindergartenkinder aufgenommen werden. Durch den jetzt begonnenen Ausbau des Gebäudes Gleidinger Straße 12 (siehe Drucksache 2016/249) werden nach Abschluss der Maßnahme im Bedarfsfall bis zu 25 Kindergartenplätze zur Verfügung stehen. Damit kann der Bedarf nach derzeitigem Stand im Betrachtungszeitraum vollständig gedeckt werden.

 

Nach wie vor ungebrochen ist die verstärkte Nachfrage nach Ganztagsplätzen. Diesem Bedarf kann durch die Umwandlung immer weniger nachgefragter Halbtagsplätze entsprochen werden. So wurde das Ganztagsangebot in den letzten fünf Jahren um 70 % (= 232 Plätze) erhöht. Gemischte Gruppen haben eine entzerrende Wirkung und sorgen insbesondere im Nachmittagsbereich für eine entspanntere Gruppensituation. Eine längere tägliche Betreuungszeit bietet auch mehr Raum für die pädagogische Betreuungs‑ und Bildungsarbeit und ist auch für Kinder aus benachteiligten Familien und für Kinder mit Förderbedarf wünschenswert.

 

Im Bereich der Sprachförderung zeigt sich, dass der Bedarf in den letzten Jahren stetig gestiegen ist: 2017 = 401 Kinder (2016 = 385; 2015 = 371; 2014 = 303; 2013 = 282). Besonders hoch ist der Bedarf in den Halbtagsgruppen. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Kindern, die zusätzliche therapeutische Angebote wie Logopädie oder Ergotherapie, die außerhalb der Einrichtungen stattfinden, erhalten oder nach Ansicht des Fachpersonals benötigen.

 

In den Einrichtungen im Stadtgebiet haben nach den Angaben der Kindertagesstätten derzeit 51,2 % der Kinder einen Migrationshintergrund (2016 = 55,0 %; 2015 = 47,5 %; 2014 = 46,0 %; 2013 = 45,6 %; 2012 = 37,9 %).

 

In acht Laatzener Kindertagesstätten (darunter alle Einrichtungen in LaatzenMitte) liegt der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund zwischen 54 und knapp 97 %. Nach Einschätzung des Fachpersonals benötigen in diesen Einrichtungen 309 Kinder Sprachförderung.

 

Kindertagesstätte

Migrationsanteil

Sprachförderung

Im Langen Feld

96,6 %

82,8 %

AWO Kita, Lange Weihe

85,6 %

64,4 %

Marktplatz

82,9 %

65,9 %

Brucknerweg

78,0 %

69,5 %

Thomaskindergarten

77,3 %

48,0 %

Wülferoder Straße

63,3 %

50,0 %

Die Insel

57,9 %

31,6 %

An der Masch

54,3 %

43,2 %

 

Im Stadtgebiet können in sieben Integrationsgruppen (Thomaskindergarten 2 Gruppen, Kindertagesstätte der AWO in der Langen Weihe 2 Gruppen, Kath. Kindergarten St. Mathilde, Familienzentrum und Ev. Kindergarten St. Nicolai jeweils 1 Gruppe) bis zu 27 Kinder mit einer Behinderung betreut werden. Daneben gibt es in der Kita Brucknerweg noch eine Einzelintegration.

 

Derzeit sind 24 Integrationsplätze belegt, für die drei noch freien Plätze läuft z. Zt. das Überprüfungsverfahren. Die Stadt Laatzen hat die höchste Zahl an I-Plätzen aller Umlandkommunen, dennoch ist weiterer Bedarf absehbar. Daher sollte in allen größeren Kitas mindestens jeweils eine I-Gruppe eingerichtet werden, soweit die baulichen Anforderungen dies zulassen. In den geplanten Neubauten sind ebenfalls die entsprechenden Voraussetzungen zur Aufnahme von Kindern mit entsprechendem Förderbedarf zu schaffen.

 

Im Auftrag

 

 

 

Thomas Schrader