Betreff
Bericht über die Kinder- und Jugendarbeit der Stadt Laatzen 2008
Vorlage
096/2009
Art
Mitteilung

Im Folgenden wird die Entwicklung der Kinder‑ und Jugendarbeit der Stadt Laatzen für das Jahr 2008 (Produkte „Einrichtungen der Jugendarbeit“ und „Kinder‑ und Jugendarbeit) anhand einiger Beispiele dargestellt. Ergänzt wird der Bericht durch die Profilbilder 2009. Die aktualisierten Kennzahlen können dem Haushaltsplan entnommen werden.

 

Förderung der individuellen und sozialen Entwicklung

 

Die soziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wird in der Offenen‑Tür‑Arbeit durch das allgemeine Umgehen miteinander und das Einhalten bestimmter Regeln, die das Miteinander bestimmen, gefördert. Dazu gehört es, gesellschaftliche Werte und Normen zu vermitteln. Dies geschieht z. B. durch das Eingreifen und Aufarbeiten bei verbalen und körperlichen Attacken und Streitigkeiten. Im Kinder‑ und Jugendzentrum wurde in 2008 das Konzept „Haus der Liebe“ eingeführt. Nach vorheriger Ankündigung auf der regelmäßig stattfindenden Besucherversammlung wurden für alle Besucherinnen und Besucher neue, verbindliche und einheitliche Regeln aufgestellt.

 

Grenzwertige Verhaltensweisen wie Beleidigungen oder Rangeleien, die bisher nicht zwangsläufig zu einem „Rausschmiss“ geführt hatten, wurden umgehend mit einem eintägigen Hausverbot geahndet. Nach einer mehrwöchigen Eingewöhnungsphase, in der es etliche kurze Hausverbote gab, hat sich das „Haus der Liebe“ zu einem geflügelten Wort unter den Besuchern und Besucherinnen entwickelt. Die Umstellung wurde von fast allen Kindern und Jugendlichen akzeptiert und großenteils mittlerweile begrüßt. Die Besucherinnen und Besucher setzen sich erheblich bewusster und reflektierter mit dem eigenen Handeln und Verhalten auseinander, da die Umsetzung und die Anlässe immer wieder zwischen Jugendlichen und dem pädagogischen Fachpersonal diskutiert werden.

 

Im Kinder‑ und Jugendzentrum lag ein weiterer pädagogischer Schwerpunkt 2008 in der Stärkung des Musikbereiches „Soundgarden“. Dazu gehört die Betreuung und Begleitung der mittlerweile 7 Jugendbands, denen 2 Proberäume und tageweise das Rockmobil des Musikzentrums zur Verfügung stehen.

 

Ziel des Angebots ist die Förderung der Kreativität der Jugendlichen. Gerade der musisch‑künstlerische Bereich stellt einen wichtigen Ausgleich zu den Anforderungen dar, die an die Heranwachsenden gestellt werden. Im Bereich der Musik verschwimmen die Grenzen zwischen Kulturen, Religionen und Schichten am deutlichsten. Die Bands sind großenteils multikulturell, wobei auch familiäre Hintergründe und gesellschaftlicher Status keine Rolle spielen. In der musikpädagogischen Arbeit wird Selbstbewusstsein durch Live‑Auftritte und Kompetenz erworben und gestärkt.

 

Wie in den Vorjahren auch war der Ferienpass ein wichtiger Bestandteil des Freizeitangebots. In Kooperation mit insgesamt 37 Vereinen und Verbänden wurden bei 99 Aktionen insgesamt 961 Kinder im Alter von 6 bis 17 Jahren erreicht. Bei der Gestaltung des Ferienpasses wurde auf ein ausgewogenes Programm zwischen Erholung und Wissensvermittlung geachtet. Neu war der vom NiKo‑Projekt organisierte und betreute „Fit&Aktiv“‑Pass, bei dem Kinder an eine gesunde Ernährung und Lebensweise herangeführt werden sollten.

 

 

Förderung und Stärkung sozialer Kompetenzen und des Selbstwertgefühls

 

Jeder Mensch wird als Individuum mit seinen eigenen Stärken und Schwächen anerkannt. Im Rahmen des Empowerment (Stärkung vorhandener Potenziale) werden bei möglichst allen Angeboten der Jugendpflege sowohl soziale Kompetenzen als auch Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl gestärkt.

 

Jeden Mittwoch trainiert z. B. der Kinder‑ und Jugendzirkus Johnass mit mittlerweile
über 30 aktiven Kindern und Jugendlichen. Die älteren Jugendlichen geben dabei ihr Wissen und Können mit großem Eifer an die Nachwuchsartistinnen und ‑artisten weiter, so dass die Nachwuchskräfte 2008 in der Lage waren, zahlreiche Auftritte in Laatzen und der Region erfolgreich zu gestalten. Höhepunkte des vergangenen Jahres bildeten u. a. der einwöchige Sommerzirkus im Kinder‑ und Jugendzentrum und die Kooperation mit dem Zirkus Roncalli während der Zirkussondershow des Leine‑Centers.

 

Gleiches gilt für die HipHop‑Tanz-Gruppen des Kinder‑ und Jugendzentrums. 16 Mäd­chen im Alter von 13 bis 18 Jahren studieren in zwei Gruppen ihre Choreografien ein, die sie bei Stadtfesten in und um Laatzen oder bei Wettbewerben vorführen. Lohn der Mühen war 2008 der erneute Gewinn eines Contests in Döhren.

 

Ein weiteres Beispiel für die Förderung des Selbstwertgefühls liefert die Veranstaltung "Förderschüler bereiten gesundes Frühstück für Kindergartenkinder im Leine‑Center zu" im Rahmen des Niko‑Projekts. 10 Schülerinnen und Schüler der Klasse 6 der Förderschule Kiefernweg bereiteteten im Leine‑Center unter fachlicher Anleitung ein gesundes Frühstück für 140 Kindergartenkinder zu.

 

 

Vermittlung gesellschaftlicher Werte und Normen

 

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendpflege vermitteln in ihrer alltäglichen Arbeit gesellschaftliche Werte und Normen. Die Jugendlichen sollen Reflexionsfähigkeit und Empathie (Mitgefühl für Andere) erlernen. Besonders in Zeiten der immer vielschichtiger werdenden Gesellschaft ist es wichtig, Grundwerte zu vermitteln, die ein respektvolles Miteinander gewährleisten.

 

Als besonders erwähnenswerte Maßnahme in 2008 ist der Besuch des Leiters des Polizeikommissariats Laatzen am 6. Juni im Kinder‑ und Jugendzentrum zu nennen. Die kontrovers geführten Gespräche zwischen Polizei und Jugendlichen hatten Themen wie Jugendkriminalität, Gruppenzwang und Einflussnahme zum Inhalt und waren für beide Seiten bereichernd.

 

 

Förderung und Stärkung der Eigeninitiative

 

In sämtlichen Kinder‑ und Jugendfreizeiteinrichtungen finden regelmäßige Vollversammlungen statt, in denen die Besucherinnen und Besucher eigenen Interessen und Bedürfnissen Ausdruck verleihen. Indem Anregungen und Ideen aufgegriffen werden, wird für die Jugendlichen erfahrbar, dass es sich lohnt, eigene Initiativen zu entwickeln. Gleiches gilt für die Mitarbeit im Laatzener Jugendparlament oder im Kinder‑ und Jugendzirkus.

 

Ein weiteres Beispiel gelungener Förderung von Eigeninitiative zeigt sich in der Computergruppe „Die Freaks“ im Kinder‑ und Jugendzentrum. Das größte Hobby der 8 Jungen ist das Arbeiten mit Computern. Sie nutzen einen eigenen Raum in der Einrichtung, in dem sie an Hardware arbeiten, unter Anleitung die Homepage betreuen und LAN‑Partys (Netzwerk‑Computer‑Partys) organisieren, die in unregelmäßigen Abständen mit durchschnittlich 40 bis 70 Teilnehmern stattfinden.

 

Jugendliche Fans von Computerspielen neigen häufig dazu, sich in ihre eigenen vier Wände zurückzuziehen. Gerade in Zeiten der digitalen Vernetzung scheinen sich häufig die sozialen Kontakte auf das Chatten oder Online‑Spielen zu begrenzen. Um diesem entgegenzuwirken und Alternativen aufzuzeigen, gleichzeitig aber den Spaß am gemeinsamen Spiel zu erhalten, finden unregelmäßig LAN‑Partys statt. Die Teilnahme an einer derartigen Netzwerkveranstaltung erfordert viel technisches Verständnis, weit über die Grenzen des reinen „Daddelns“ hinaus. Die LAN‑Partys finden meist von Freitagabend bis Sonntagmittag statt.

 

Es ist bezeichnend, dass die Jugendlichen in den etwa 40 Stunden einer LAN‑Party tatsächlich nur etwa 20 % mit Computerspielen verbringen. Die meiste Zeit wird mit spielfremden Möglichkeiten der Technik experimentiert oder mit alternativen Aktionen verbracht, die bewusst vom anwesenden pädagogischen Fachpersonal angeboten werden.

 

 

Unterstützung bei der Persönlichkeitsbildung und in Familien‑, Schul‑ und Berufsfragen

 

Die Kinder‑ und Jugendeinrichtungen und die Jugendpflege im Rathaus bieten Kindern, Jugendlichen und Eltern kostenlose Beratung an und vermitteln bei Bedarf an zuständige Ansprechpartnerinnen und ‑partner anderer Institutionen.

 

Sämtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen für Hausaufgabentipps und Bewerbungsfragen zur Verfügung. Im Kinder‑ und Jugendzentrum und in den Jugendräumen Rethen und Ingeln‑Oesselse standen für Hausaufgabenhilfen in 2008 feste Termine zur Verfügung. Aus Spenden‑ und Haushaltsmitteln konnten zusätzlich im gesamten Stadtgebiet 11 ver­setzungs­ge­fährdete Schülerinnen und Schüler aus einkommensschwachen Familien per Einzelbetreuung gefördert werden. Die Stadt Laatzen bezuschusst über das NiKo‑Projekt die in der Schule Am Kiefernweg angebotene Sprachförderung.

 

Gerade zu Beginn der Bewerbungsphasen für Ausbildungen, Schule und Beruf wird regelmäßig ein Mitarbeiter des Pro Aktiv‑Centers ins Kinder‑ und Jugendzentrum eingeladen. Er widmet sich individuell den bewerbungs‑ und zukunftsrelevanten Themen der Jugendlichen, gibt Tipps für Bewerbungen, knüpft Kontakte und zeigt Alternativen auf.

 

 

Partizipation und Teilhabe

 

Neben den bereits erwähnten Vollversammlungen in den Einrichtungen bietet das Jugendparlament Laatzen bereits seit 1997 eine Plattform, in der sich Jugendliche politisch engagieren. In insgesamt 6 Sitzungen im Jahr 2008 wurden u. a. verlängerte Öffnungszeiten der Bibliothek beantragt und durchgesetzt. Ein weiterer Schwerpunkt war 2008 die Diskussion um die Ausweitung des Politikunterrichts an den Laatzener Schulen. Hierzu wurden entsprechende Forderungen in Anschreiben an das Nds. Kultusministerium und an die weiterführenden Schulen im Stadtgebiet formuliert.

 

Die Ortsteilerkundung ist ein Beteiligungsprojekt für Kinder, die ihren Sozialraum unter pädagogischer Leitung erkunden und bewerten. 2008 wurde Ingeln‑Oesselse erkundet. Die dabei gewonnen Ergebnisse wurden dem Ortsrat vorgestellt und intern, z. B. für die Bewertung der Spielplätze verwendet. Kinder werden so als Spezialisten ihrer Umwelt wahrgenommen und anerkannt.

 

Im Jugendraum Ingeln‑Oesselse wurde Ende 2008 eine „kleine Zukunftswerkstatt“ durchgeführt, in der Kinder und Jugendliche zu ihrem Ortsteil befragt wurden. Die Ergebnisse wurden dem Ortsrat vorgestellt.

 

Der Jugendraum Gleidingen wird seit Jahren an den nicht pädagogisch betreuten Öffnungszeiten zusätzlich von einem Vorstand betreut, der sich 2008 aus 3 jungen Erwachsenen zusammensetzte. Im Austausch mit der pädagogischen Fachkraft werden immer wieder Regeln überprüft und Einzelsituationen im pädagogischen Alltag der Einrichtung analysiert. Des Weiteren hat sich der Jugendraum Gleidingen 2008 am „Lebendigen Adventskalender“ der evangelischen Kirchengemeinde beteiligt und war selbst Veranstaltungsort. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Reihe 70“ halfen Jugendliche bei Gartenarbeiten auf dem jüdischen Friedhof in Gleidingen.

 

 

Auswahl besonderer Veranstaltungen in 2008:

 

·       Behindertenprojekt jeden Dienstag in der Quatschkiste

·       Mehrere Schul‑AGs an der Grundschule Pestalozzistraße und Albert‑Einstein‑Schule

·       Beratungsrundlauf Jugendschutz Albert‑Einstein‑Schule

·       Theateraufführung zum Thema „Gesundes Essen“ in der Grundschule Pestalozzistraße

·       Rucksackprojekt in der Grundschule Pestalozzistraße

·       Ferienpass in den Sommerferien mit 99 Veranstaltungen

·       Ferienbetreuung für Schulkinder bis 12 Jahren in den
Oster‑, Sommer‑ und Herbstferien

·       Jungen‑Aktionscamp

·       Kindersommerfreizeit Föhr

·       Jungenfreizeit Bamberg

·       3 Reiter‑ bzw. Reiterinnenfreizeiten

·       Jugendgruppenleiterausbildung und ‑fortbildung

·       Mitternachtssport jeden 3. Freitagabend im Monat

·       Mitternachtsschwimmen aquaLaatzium

·       Rockmobil alle 14 Tage

·       3 Rockkonzerte

·       Zirkusprojekt im Leine‑Center

·       Sommerferienzirkus

·       Drachenfest

·       Beteiligungen am Sporttag, Stadtfest. 1. Mai‑Fest und Abschied vom Sommer

·       Durchführung des 1. Laatzener Integrations‑Dialogs im Jugendzentrum

·       6 Sitzungen Jugendparlament

·       Berlin‑Fahrt Jugendparlament

·       Erichfete Jugendparlament

·       Dorferkundung Ingeln‑Oesselse

·       3 Elternkurse „Starke Eltern ‑ Starke Kinder“

·       Projektgruppe Jugendräume in Alt-Laatzen

·       Teilnahmen an den Sitzungen des Präventionsrates und
der Projektgruppe Integration

·       Tagesfahrten

·       Kooperationen mit Kirchen, Musikschule, Musikzentrum,
Vereinen und Verbänden etc.

 

In Vertretung

 

 

 

Arne Schneider

 

Anlage