Betreff
Grundschule Pestalozzistraße
- Um - und Erweiterungsbau / Sporthallenerneuerung
- Beschlussvorschlag der Verwaltung
Vorlage
2020/263/4
Art
Beschlussvorlage
Referenzvorlage

Sachverhalt:

 

Mit Beschluss zur Drucks.-Nr. 2020/263/3 wurde der Bürgermeister beauftragt, in den weiteren Planungsschritten für den Neu-, Um- und/ oder Erweiterungsbau der Grundschule Pestalozzistraße die Varianten 2 und 3 aus der Drucksache 2020/263/1 zu berücksichtigen und für die abschließende Beurteilung die voraussichtlichen Aufwendungen unter Berücksichtigung der Barrierefreiheit und von möglichen Zuschuss- und Fördermitteln unter Hinzuziehung von externen Dienstleistern herauszuarbeiten.

Nachdem die Bundesregierung am 24. Januar 2022 beschlossen hat, dass alle Programme der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) gestoppt werden und keine Anträge mehr gestellt werden können, entfiel eine wesentliche Grundlage, um dem Auftrag gerecht werden zu können. Seit dem 21. April 2022 wird von der KfW nur noch die Effizienzhaus-Stufe 40 mit Nachhaltigkeits-Klasse und Qualitätssiegel „Nachhaltiges Gebäude“ gefördert. Allerdings ist auch die Förderung des EH40-Standard mit Nachhaltigkeits-Klasse und Qualitätssiegel „Nachhaltiges Gebäude“ bis Ende 2022 befristet. Ab Januar 2023 soll ein umfassendes und komplett neues KfW-Programm mit dem Titel „Klimafreundliches Bauen“ gültig sein und die alten Programme ablösen. Dieses Programm soll demnach das QNG-Siegel weiterentwickeln und "insbesondere die Treibhausgas-Emissionen im Lebenszyklus der Gebäude noch stärker in den Fokus stellen". Die genaue Justierung des Programms werde noch erarbeitet.

Bis alle Vorplanungen soweit abgeschlossen sind, dass ein Förderantrag bei der KfW-Bank gestellt werden kann, wird voraussichtlich das neue Programm gültig sein, dessen konkreter Inhalt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch noch nicht erschließt. Da also weder die beabsichtigten Förderinstrumente (Zuschuss- und/oder zinsgünstige Kreditförderung) noch die dafür konkret zu erfüllenden Voraussetzungen bekannt sind, lässt sich eine abschließende Beurteilung der voraussichtlichen Aufwendungen unter Berücksichtigung von möglichen Zuschuss- und Fördermitteln zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht herausarbeiten.

 

Die aktuellen weltpolitischen Ereignisse führen jedoch schon heute dazu, dass neben Einsparbemühungen in den Aufwendungen für Energiebezug und beabsichtigter CO2-Reduktion insbesondere auch die Unabhängigkeit vom Bezug fossiler Energieträger immer weiter in den Focus rückt und der Einsatz von Wärmepumpen dem ausschließlichen Betrieb von Blockheizkraftwerken oder Brennwertthermen vorgezogen wird. Voraussetzung hierfür ist im Regelfall jedoch eine hocheffiziente Wärmedämmung des Gebäudes.

Vor diesem Hintergrund ergibt sich für die Bewertung der vier Varianten für den Neu-, Um- und/oder Erweiterungsbau der Grundschule Pestalozzistraße eine neue Betrachtung. Die drei Varianten, die einen gänzlichen oder teilweisen Erhalt des Bestandsgebäudes vorsehen, erfüllen die Anforderungen an eine hocheffiziente Wärmedämmung nicht bzw. nicht vollständig aufgrund der vorgesehenen weiteren Nutzung der Bestandsgebäude. Die Variante drei, die einen kompletten Neubau vorsieht, eröffnet die besten Voraussetzungen, die künftigen Anforderungen voraussichtlich erfüllen und im Betrieb auf den Einsatz fossiler Energieträger weitestgehend verzichten zu können. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang auch, dass diese Variante den geringsten Flächenbedarf ausweist, was sich neben dem Energiebedarf auch positiv auf weitere Betriebsaufwendungen wie z.B. Gebäudereinigung auswirkt.

 

In der Betrachtung zusätzlich zu berücksichtigen sind auch die erheblichen Preissteigerungen für den Bezug von Erdgas, die in diesem Umfang nicht zu erwarten waren und die die gebäudebezogenen Aufwendungen für den Betrieb von Gebäuden mit Gasheizung in der langfristigen Perspektive unwirtschaftlicher erscheinen lassen, als dies bislang angenommen wurde. Lt. einer Veröffentlichung des Verbraucherportals Verivox lagen die durchschnittlichen Gaspreise bei einem Verbrauch von 20.000 kWh/ Jahr in den Jahren 2012 bis 2021 zwischen 6,57 und 6,65 ct/kWh. In 2022 liegt dieser Preis bereits bei bis zu 14,15 ct/kWh. Zu Beginn des Jahres 2022 gab es über 800 Preiserhöhungen regionaler Grundversorger von durchschnittlich 31 Prozent. Hinzu kommen noch teurere Tarife für Neukunden, die sich auf den bundesweiten Durchschnittspreis auswirken. Im Februar 2022 lag er mit 14,15 ct/kWh mehr als doppelt so hoch als noch ein Jahr zuvor. Eine Absenkung der Preise für den Bezug von Erdgas ist im Hinblick auf die schwierige Versorgungssituation gegenwärtig nicht zu erwarten, zumal neben den hohen Großhandelspreisen der CO2-Preis, der auf fossile Brennstoffe fällig wird, zu höheren Gaskosten führt. Der CO2-Preis wird seit 2021 pro Tonne CO2 erhoben. Der Anfangspreis lag bei 25 Euro pro Tonne, und steigt jedes Jahr an. 2025 beträgt er 55 Euro. Ab 2026 gilt ein Preiskorridor von mindestens 55 Euro und höchstens 65 Euro pro Tonne CO2. Dadurch steigen die Heizkosten für alle Haushalte, die mit Gas oder Öl heizen.

 

Unter Berücksichtigung der vorgenannten veränderten Rahmenbedingungen wird, obwohl die Förderbedingungen der KfW-Bank unter dem Programmtitel „Klimafreundliches Bauen“ noch nicht bekannt sind, empfohlen, eine Neubewertung zugunsten eines kompletten Neubaus vorzunehmen. Dieser bietet die besten Voraussetzungen, um im Betrieb auf den Einsatz fossiler Energieträger weitestgehend verzichten zu können, was sich wiederum positiv auf die CO2-Produktion auswirkt und von den Risiken bei der Preisentwicklung für fossile Energieträger entbindet.

 

Die Schulleitung der Grundschule Pestalozzistraße hatte sich ja bereits vorrangig für den Neubau, Variante drei, ausgesprochen, da gerade im Rahmen der Inklusion und des Ganztagsbetriebs der bestehende Schulbau den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht wird. Die Stellungnahme der Schule ist in der Drucks.-Nr. 2020/263/2 auf den Seiten 1 und 2 bereits umfassend dargelegt worden.

 

In der Machbarkeitsstudie bei Variante drei, Neubau, offen geblieben ist der Verbleib des städtischen Archivs sowie eines Musikraumes, die gegenwärtig in dem Kellergeschoss der Grundschule untergebracht sind. In dem Flächenansatz für den Neubau sind diese Räume nicht enthalten. Hier zeichnet sich jedoch eine Lösung im städtischen Gebäudebestand ab (mögliche Nachnutzung der Räume, die gegenwärtig von der Calenberger Schule in Alt-Laatzen genutzt werden. Die Calenberger Schule wird nach Pattensen umziehen).

 

 

Der Bürgermeister

Im Auftrag

 

 

 

 

Stefan Zeilinger

Beschlussvorschlag:

 

  1. Der Bürgermeister wird beauftragt, in den weiteren Planungsschritten für die Grundschule Pestalozzistraße zur Realisierung des als Anlage beigefügten Raumprogramms die Variante 3, Neubau, vorzusehen. Diese Variante beinhaltet den vollständigen Abbruch aller auf dem Grundstück befindlichen Schulgebäude einschl. der Turnhalle und des 90er Jahre Anbaus und die Errichtung eines Neubaus, der, entsprechend dem fortgeschriebenen Raumprogramm, allen pädagogischen Anforderungen und Funktionen einer zeitgemäßen Grundschule entspricht.

  2. Die Turnhalle wird durch eine neue Zwei-Feld-Turnhalle ersetzt.

  3. Das energetische Konzept soll so ausgelegt werden, dass auf den Einsatz fossiler Energieträger weitestgehend verzichtet wird.

  4. Die Kostenermittlungen sind weiter zu konkretisieren, insbesondere auch im Hinblick auf das energetische Konzept, damit die Maßnahme in den Haushaltsplänen 2023 ff. veranschlagt und für die Umsetzungsplanung berücksichtigt werden kann.