Betreff
Kinder- und Jugendhilfeplanung
Krippen- und Kindertagespflegeausbauplanung
für den Zeitraum 2020 bis 2022
Vorlage
2020/282
Aktenzeichen
5 Schr
Art
Mitteilung

 

Vor dem Hintergrund der Sicherstellung eines bedarfsgerechten Platzangebotes und der Gewährleistung des seit dem 01.08.2013 geltenden Rechtsanspruches für alle Kinder ab vollendetem 1. Lebensjahr hat der Rat der Stadt Laatzen eine anzustrebende Versorgungsquote für Kinder unter drei Jahren von 35,0 % bzw. für die beiden Jahrgänge der ein- und zweijährigen Kinder von 56,0 % beschlossen (Dr.‑Nr.: 2012/275). Grundlage bildeten die Einschätzungen u. a. des Deutschen Jugendinstituts (DJI) und des Deutschen Städtetags.

 

Die jüngsten, vom statistischen Bundesamt ermittelten Betreuungsquoten für Kinder unter drei Jahren in Krippenbetreuung und Tagespflege zum Stichtag 01.03.2019 für den Bund und das Land Niedersachsen können der Tabelle 3 entnommen werden.

 

Situation im Stadtgebiet Laatzen

 

Am Stichtag 1. Oktober standen 276 Krippenplätze zur Verfügung. Außerdem werden noch 17 Laatzener Kinder in Krippen außerhalb des Stadtgebietes betreut. Eine Übersicht über das Krippenangebot kann der Tabelle 1 entnommen werden.

 

Tabelle 1:  Krippenplätze

Stand: 01.10.2020

 

 

 

 

 

 

Einrichtung

Platzangebot

belegt

Auslastung

in %

Warteliste: Aufnahme erwünscht mit…

 

 

 

 

1 Jahr

2 Jahren

An der Masch

15

9

60,0%

17

9

Rathausstraße

30

19

66,3%

St. Mathilde

15

15

100,0%

St. Marien, Ohestraße

4

4

100,0%

 

 

Sudewiesenstraße

45

40

88,9%

16

7

Hermes Kids (Messe)

5

5

100,0%

34

23

Thomaskindergarten

15

9

60,0%

Marktplatz

15

9

60,0%

Wülferoder Straße

15

9

60,0%

Brucknerweg

15

13

86,7%

Pinienweg

30

28

93,3%

Familienzentrum

25+2*

22

81,5%

25

14

Sehlwiese

15

10

66,7%

Gleidingen

15

15

 100,0% 

13

10

Ingeln-Oesselse

15

 15

100,0% 

14

4

Insgesamt (01.10.20)

274+2* (276)

222

80,4%

119

67

 

* Integrationsplätze ‑ hierdurch ist eine Reduzierung der Gruppengröße erforderlich

 

In der Tagespflege sind aktuell 36 aktive Tagespflegepersonen (TPP) registriert (Vorjahr 39). Alle registrierten Tagespflegepersonen verfügen über eine qualifizierte Pflegeerlaubnis. Mehrere neue Tagespflegepersonen befinden sich z. Zt. in der Eignungsüberprüfung. Das Platzangebot ist gegenüber dem Vorjahr leicht von 159 auf aktuell 153 Plätze gesunken. Von den zur Verfügung stehenden Plätzen sind derzeit 138 belegt, darunter 5 mit Kindern über drei Jahren. 10 Plätze sind mit Kindern aus anderen Kommunen belegt. Diese Plätze werden ebenso wie die mit Selbstzahlern belegten Plätze nicht durch die Stadt Laatzen gefördert. Daneben werden 5 Kinder unter 3 Jahren von Tagespflegepersonen außerhalb der Stadt Laatzen betreut. Diese Plätze werden von der Stadt gefördert. Die meisten TPP bieten eine Mindest­be­treu­ungszeit von täglich sechs Stunden an. Die Abdeckung der Zeiten zwischen 8.00 und 16.00 Uhr ist in der Regel unproblematisch. Die Abdeckung von Randbetreuungszeiten ist kaum möglich, eine Betreuung am Wochenende und über Nacht wird von keiner Tagespflegestelle angeboten. Nachfragen sind andererseits auch sehr selten. Es ist zu vermuten, dass solche Zeiten in den meisten Fällen im familiären Umfeld aufgefangen werden. Neben den Einzel-TPP, die je nach Pflegeerlaubnis bis zu fünf Tages­pflegekinder gleichzeitig betreuen können, gibt es vier Großtagespflegestellen (GTP). In den GTP können bis zu drei Tagespflegepersonen zusammenarbeiten, so dass je nach Qualifikation bis zu acht bzw. zehn Kinder gleichzeitig betreut werden dürfen. In einer Großtagespflegestelle sowie bei einer Tagespflegeperson gibt es jeweils einen Vorhalteplatz.

 

Die Quote der in Laatzen in Tagespflege betreuten Kinder unter drei Jahren liegt bei 15,6 % (Vorjahr 11,1 %).

 

           Tabelle 2: Tagespflegeplätze                                              Stand: 01.10.2020

 

Stadtteil

Derzeit max. belegbare Plätze

belegt

davon U3

Auslastung in %

 

 

 

 

 

Alt -Laatzen

8

8

7

100,0%

Grasdorf

10

10

10

100,0%

Laatzen-Mitte

49

43

40

87,8%

Rethen

42

39

39

92,9%

Gleidingen

20

18

18

90,0%

Ingeln-Oesselse

24

20

20

83,3%

 

 

 

 

 

Insgesamt

153

138

134

90,2%

 

Die Altersgruppe der unter Einjährigen spielt bei der Berechnung der erforderlichen Versorgung in Laatzen keine Rolle. Diese Tendenz entspricht der gesamtdeutschen Situation. Die Betreuungsquote für diesen Altersjahrgang liegt bundesweit bei 1,9%, in Niedersachsen bei 1,5 % (Quelle: destatis 2019). Z. Zt. werden in Laatzen drei Kinder dieses Jahrgangs durch eine Tagespflegeperson betreut (Vorjahr 0). In der Regel nehmen die Eltern das Elterngeld in Anspruch.

 

Unter Einbeziehung der z. Zt. 153 für die Tagespflege zur Verfügung stehenden Plätze und der 276 Krippenplätze stehen für die 1‑ und 2jährigen im Stadtgebiet insgesamt 429 Betreuungsplätze zur Verfügung. Die Versorgungsquote beträgt 53,5 % (Vorjahr 54,0 %) Bezogen auf die 0‑ bis unter 3‑jährigen beträgt sie 37,6 % (Vorjahr 33,9 %). Die aktuell jüngsten verfügbaren Vergleichsdaten ergeben folgendes Bild:

 

Tabelle 3: Versorgungs- und Ganztagsquoten-Vergleich

 

 

U3 (drei Jahr-gänge)

Ein- und Zweijährige (zwei Jahrgänge)

hiervon werden ganztags betreut

Deutschland

34,3%

50,2%

18,5%

Niedersachsen

32,1%

47,0%

12,2%

Region

32,6%

 

 

Stadt Laatzen

37,6%

             53,5%

62,7%

 

Quelle: destatis 2019; Stadt Laatzen 2020; Bertelsmann-Ländermonitoring 2020

            

Wie in den Vorjahren ist durch Zuzüge die Zahl der Kinder gegenüber den im vergangenen Jahr für 2020/21 ermittelten Daten gestiegen (+ 57), so dass die angestrebte Deckungsquote von 56,0 % trotz einer Steigerung durch die zusätzlichen Plätze in der Kita Pinienweg noch verfehlt wird. Die Entwicklung der Kinderzahlen stagniert seit dem Höchststand mit 824 Kindern in 2017/18 bei rund 800.

 

Für das kommende Jahr sind statistisch bislang 740 Ein‑ und Zweijährige erfasst. Das entspräche zwar einem Rückgang von 62 Kindern gegenüber 2020, wie die letzten Jahre gezeigt haben, ist jedoch unter Berücksichtigung der Bautätigkeit für die beiden kommenden Betreuungsjahre nochmals von etwa 35 bis 40 zusätzlichen Kindern auszugehen. Weitere nennenswerte Baugebiete mit Auswirkungen auf die Nachfrage nach Betreuungsplätzen sind danach mit Ausnahme des zweiten Bebauungsabschnitts „Am Erdbeerhof“ nicht projektiert. Da der Bestand verfügbarer Wohnungen bei ungebrochen hoher Nachfrage in Laatzen bekanntermaßen knapp ist, dürfte der Zuzug junger Familien und der Nachzug von Familienangehörigen Geflüchteter rückläufig sein. Eine gegenläufige Entwicklung ist nur für Wohngebiete mit einem hohen Anteil älterer Menschen zu erwarten.

 

Der Anteil an Krippenplätzen entspricht mit 64,3 % am Gesamtbetreuungsangebot U3 noch nicht der angestrebten Mischquote von mindestens 70 %. Laut statistischem Bundesamt wünschen im Bundesdurchschnitt sogar rund 85 % der Eltern eine Krippenbetreuung und nur 15 % einen Platz in Form der Kindertagespflege (Quelle: destatis). Zwar kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich ein Ausbau der Krippenbetreuung nachteilig auf die Auslastung der Tagespflegeplätze auswirkt. Da allerdings institutionalisierte Plätze dem Träger der Jugendhilfe langfristig eine höhere Planungssicherheit bieten, sollte weiterhin grundsätzlich am Ausbau des Angebotes von Krippenplätzen festgehalten und dieses nachfrageabhängig umgesetzt werden.

 

In Alt‑Laatzen liegt die Deckungsquote bei rund 77 %, damit wird die vom Rat beschlossene Soll‑Vorgabe deutlich erfüllt. Aufgrund der verkehrsgünstigen Lage sind die dortigen Krippenplätze auch für Eltern aus Laatzen‑Mitte eine Alternative.

 

In Laatzen‑Mitte besteht trotz der seit Februar 2020 in der Kita Pinienweg zusätzlich zur Verfügung stehenden 30 Krippenplätze weiterhin ein Defizit. Eine Verbesserung des Krippenangebotes wird erst durch die Realisierung des Kita-Neubaus an der Würzburger Straße erreicht, in dem auch zwei weitere Krippengruppen vorgesehen sind. Die Realisierung des Bauvorhabens verzögert sich jedoch. Nach dem aktuellen Bauzeitenplan ist die Inbetriebnahme nunmehr erst im Jahr 2022 möglich.

 

Aufgrund des großen Angebotes an Tagespflegeplätzen wird die angestrebte Versorgungsquote in Rethen fast erreicht, allerdings besteht eine deutliche Nachfrage nach Krippenplätzen.

 

Die im Zuge der Entwicklung des Bebauungsplans „Am Erdbeerhof“ in Gleidingen neu entstehende Kindertagesstätte soll nach derzeitigem Stand zum Beginn des kommenden Betreuungsjahres (01.08.2021) in Betrieb gehen und ebenfalls eine Krippe erhalten. Mit der dann bei rund 65 % liegenden Betreuungsquote wird die Zielvorgabe erstmals erreicht.

 

Auch in Grasdorf wird die derzeit anzustrebende Versorgungsquote von 56 % erreicht, in Ingeln‑Oesselse liegt sie nur knapp darunter.

 

Im Auftrag

 

 

 

Thomas Schrader

 

Anlage