Betreff
Neufassung des Kinderspielplatz-Entwicklungskonzeptes
Vorlage
2012/101/2
Art
Beschlussvorlage
Referenzvorlage

Sachverhalt:

 

Das für die Stadt Laatzen im Jahre 2002 entwickelte Kinderspielplatzentwicklungskonzept beruhte auf dem niedersächsischen Kinderspielplatzgesetz (NSpPG) v. 06.02.1973. Das Gesetz regelte u. a. Maximalabstände zwischen Wohnungen und Spielplätzen oder die Mindestgröße. Es wurde im Rahmen des Bürokratieabbaus aufgehoben, womit den örtlichen Planungen die Grundlage entzogen wurde.

 

Neugefasste, die Spielplätze für 6-12-Jährige betreffende Regelungen, die mit der Novellierung der niedersächsischen Bauordnung (NBauO) i. d. F. v. 12.04.2012 erwartet wurden, sind ausgeblieben. Die novellierte NBauO sieht lediglich eine Verpflichtung zur Vorhaltung von Kleinkinderspielflächen für neue Mehrfamilienhäuser mit mehr als fünf Wohnungen vor. 

 

Somit gibt es keine gesetzlichen Regelungen zu den Einzugsbereichen von Spielplätzen und keine Vorgabe mehr, dass Spielplätze für Kinder im Alter von 6-12 Jahren zu errichten sind, wodurch die  Kommunen gezwungen werden, eine strategische Neuausrichtung bei der Kinderspielplatzverteilung und -gestaltung vorzunehmen.

 

Die Ausstattung der Kommune mit Kinderspielplätzen mit dem früher gesetzlich fest­gelegten Einzugsbereich ist also keine Pflichtaufgabe mehr. Im Hinblick auf die Haushaltssituation sind freiwillige Leistungen grundsätzlich zu streichen; eine Aus­nahme wird für das „Laatzener Profil für Bildung und Betreuung“ gemacht. Ziel bleibt eine vollflächige Versorgung unter dem Gesichtspunkt „kurze Wege für kurze Beine“.

 

Um dies zu erreichen ist eine Konzentration der finanziellen Mittel unumgänglich, daher ist bei der Ausstattung der Plätze zu differenzieren. Die Begleitpersonen der Kinder sollen künftig die Wahl haben zwischen einem kurzen Weg zu einem einfach ausgestatteten Spielplatz und einem unter Umständen längeren Weg zu einem überdurchschnittlich ausgestatteten Spielplatz.

 

Allerdings spricht auch das Nutzer- und Nutzerinnenverhalten für eine solche Differenzierung, da schon immer Spielplätze weiträumig aufgesucht werden, um Angebote zu nutzen, die es andernorts nicht gibt und die auch nicht flächendeckend  vorgehalten werden können oder sollten, weil es sich um spezielle Spielangebote handelt oder die Lage eines Platzes maßgebend ist.

 

Das Laatzener Kinderspielplatzentwicklungskonzept wurde bisher ständig angepasst, hatte sich als Planungsinstrument bewährt und soll unter den neuen Rahmenbedingungen fortgeschrieben werden.

 

 

Das neue Kinderspielplatzentwicklungskonzept beinhaltet folgende Maßnahmen:

 

a)   In jedem Ortsteil soll mindestens ein Plus - Spielplatz angelegt werden.

 

b)   Die übrigen Spielplätze sollen neue Standards erhalten.

 

c)    Der gesamte Spielplatzbestand soll dem Nutzerverhalten angepasst werden.

 

Eine Umsetzung des Plus - Spielplatzkonzeptes wird sich über mehrere Jahre hinziehen. Ziel wird sein, jeden Ortsteil mit mindestens einem Plus - Spielplatz auszustatten. Erste Vorschläge finden sich in der stadtteilbezogenen Betrachtung (s.u.).

 

Der Spielplatzbestand ist wie bisher in Kategorien eingeteilt.

 

Bei einer Fortschreibung der Kategorien werden die Spielplätze künftig eingehender daraufhin untersucht, welche Nutzungen wie intensiv dort stattfinden, sowie welche Altersgruppen anzutreffen sind. Es ist eine vermehrte Nutzung der Kinderspielplätze durch Kinder im Alter von 4 – 8 Jahren zu beobachten. Demgegenüber ist der Anteil der 10- bis 12jährigen Kinder rückläufig. Dies soll bei der Neuanschaffung und Grundausstattung berücksichtigt werden.

 

Kostenintensive Sandspielflächen werden schrittweise auf ein sich an der Nutzung orientierendes notwendiges Maß reduziert.

 

Einige Kinderspielplätze werden kaum genutzt und befinden sich in Quartieren, in denen eine „Wiederbelebung“ aufgrund der Bevölkerungsstruktur, Größe und Lage wenig sinnvoll ist. Über Art und Umfang einer Nachnutzung ist im Einzelfall zu entscheiden.

 

Prioritätenliste 2013:

                                                                                           

 

Für die Zuordnung zu einer Kategorie sind vier Maßstäbe ausschlaggebend:

 

  1. Die fachliche Beurteilung aus pädagogischer und technischer Sicht.

 

  1. Die Ergebnisse der Ortsteilerkundungsprogramme.

 

(Anmerkung: Bei den Ortsteilerkundungsprogrammen handelt es sich um eine Momentaufnahme, die durch Abgänge und Ergänzungen von Spielgeräten in der Regel kurzfristig an Aktualität verlieren kann. Die Ergebnisse und Bewertungen nehmen Einfluss auf die Kategorisierung, werden aber in dieser Fassung der Prioritätenliste zusätzlich aufgenommen, um einen Vergleich zu ermöglichen).

 

  1. Die Aussagen der Kinder und Eltern, die bei den Spielplatzkontrollen und

            anderen Anlässen angetroffen und befragt wurden.

 

  1. Die Auswertung von Beschwerden und Anregungen.

 

Kategorien

Eine Kategorie P wurde hinzugefügt.

 A: Guter Allgemeinzustand, derzeit keine Änderungen notwendig (Spielgeräte 

      sind neuwertig / nicht älter als 8 Jahre, das Gelände ist ansprechend gestal-

      tet).

 

      B: Noch zufriedenstellender Zustand, Umgestaltungen und / oder Ergänzungen

           von Spielgeräten sind wünschenswert. (Ältere Spielgeräte / bis ca. 15 Jahre

           alt, keine ansprechende Geländegestaltung.)

  

C: Schlechter Allgemeinzustand, Umgestaltung und Ergänzung ist dringend

           Erforderlich (sehr alte Spielgeräte / geringer Spielwert / unattraktives Gelände).

 

      D: Spielplatz wird voraussichtlich für längere Zeit kaum genutzt

           (Ältere Anwohner, nur wenige Kinder im Einzugsbereich).

           Bis zu einem Generationswechsel (Junge Familien mit Kindern) werden keine

           abgängigen Spielgeräte ersetzt. U.U. können die Plätze auch abgebaut wer-

           den, um zu „ruhen“.

 

P: Spielplatz, der aufgrund seiner Lage, Erreichbarkeit, Größe und  Beschaffenheit geeignet ist, als Plus - Spielplatz mit besonders hohem Spielwert ausgebaut zu werden („Plus - Spielplatz“). Durch Lage und Ausstattung sind besonders geeignet die den Schulen angegliederten Spielplätze.

 

 

Alle 111 Spielplätze wurden anhand der Kategorien A bis D bewertet:

 

Kategorie

Anzahl

A

85

B

15

C

6

D

5

 

Ersatz- und Aufwertungsmaßnahmen

Um möglichst viele Spielanlagen aufwerten zu können, soll bei der Beschaffung 2013 überwiegend die „Grundausstattung“ mit Schaukeln, Rutschen und Reckstangen ver-bessert werden. Kostenintensive Großgeräte sollen bei der anstehenden Be­schaf-fung nicht berücksichtigt werden, da damit nur einige wenige Spielflächen auf­gewertet werden können.

 

 

Stadtteilbezogene Betrachtung:

 

1)    Alt Laatzen:

 

8 Spielplätze, davon 6 der Kategorie A.

165 Kinder im Alter zwischen 0 und 3 Jahren.

 

Als Plus - Spielplatz bieten sich die Spielplätze Kreuzweg oder Fugenwinkel an. Favorisiert wird der Platz am Kreuzweg, da die direkte Anbindung zur Schule Alte Rathausstraße zusätzliche Erweiterungsmöglichkeiten bietet und in der Schule mit dem Jugendzentrum Betreuungsmöglichkeiten kumuliert wurden.

 

Der Spielplatz Fugenwinkel nimmt durch seine Lage weit außerhalb der Ortschaft am Wiesendachhaus  eine Sonderstellung ein. Seine Aufwertung könnte im Rahmen des in Arbeit befindlichen Konzeptes zum Wiesendachhaus erfolgen. Eine Ausgestaltung als Naturspielplatz bietet sich an.

 

2)    Laatzen Mitte:

 

19 Spielplätze, davon 14 der Kategorie A.

521 Kinder im Alter zwischen 0 und 3 Jahren.

 

           Die große Kinderzahl macht deutlich, warum bei der Umgestaltung eines

ersten Plus Spielplatzes der Bereich Laatzen Mitte die erste Priorität erhalten hat. Hierzu bietet sich der Abenteuerspielplatz Würzburger Straße an. Die direkte räumliche Anbindung zur Pestalozzi-Schule und zum Jugendzentrum sowie zum Erich-Kästner-Schulzentrum macht diesen Platz zum Favoriten.

 

3)    Grasdorf:

 

8 Spielplätze, davon 5 der Kategorie A.

70 Kinder im Alter zwischen 0 und 3 Jahren.

 

Ein erster Plus - Spielplatz könnte langfristig im angrenzenden Bereich der Grundschule liegen, wenn sich dort die Planungen konkretisiert haben. Weitere Möglichkeiten bietet der Spielplatz Im Heidfeld, da dieser nicht nur in Anbindung zur AES liegt, sondern dieser Platz hinsichtlich seines Einzugsbereichs und seine Größe beste Voraussetzungen bietet. Der Platz muss allerdings grundsaniert werden.

 

4)    Rethen:

 

16 Spielplätze, wovon 13 in der Kategorie A liegen.

323 Kinder im Alter zwischen 0 und 3 Jahren.

 

Als Plus - Spielplatz bietet sich der Spielplatz Park Rethen, Hildesheimer Straße an, da seine zentrale Lage, seine Größe und der Wunsch nach Aufwertung des Parks dafür sprechen. Darüber hinaus liegt er in unmittelbarem Bereich angrenzender Kindertagesstätten. Langfristig wäre auch ein Platz in engerer Anbindung an die Schule möglich.

 

Durch die hohe Kinderzahl hat der Bereich die zweite Priorität bei der Einrichtung eines künftigen Plus - Spielplatzes erhalten.

 

5)    Gleidingen:

 

11 Spielplätze, wovon 6 in der Kategorie A liegen.

143 Kinder im Alter zwischen 0 und 3 Jahren.

 

Als Plus - Spielplatz wäre der Spielplatz Schützenstraße denkbar, hätte ausreichend Entwicklungspotenzial und eine direkte Anbindung an den Kindergarten. Nachteil ist die bisher schwache Ausstattung. Ebenfalls berücksichtigt werden muss, dass die Flächen u. U. als Erweiterung für eine Krippe benötigt werden könnten. Der Spielplatz auf dem Gelände der GS Gleidingen, Oesselser Straße wäre ebenfalls denkbar, die Flächen bieten aber wenig Entwicklungsmöglichkeit.

 

6)    Ingeln / Oesselse:

 

10 Spielplätze, wovon 8 in der Kategorie A liegen.

124 Kinder im Alter zwischen 0 und 3 Jahren.

 

Als Plus - Spielplatz bieten sich die Spielplätze Pappelallee und GS Oesselse, Lessingstraße 2-4 an. Favorisiert wird der Spielplatz Pappelallee, da dieser auf Grund seiner Größe und Lage und besonderen Attraktivität beste Voraussetzungen bietet.

 

 

Im Auftrag

 

 

 

Dürr

 

 

Anlagen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Beschlussvorschlag:

 

  1. Auch nach Aufhebung des Nds. Kinderspielplatzgesetzes soll in Laatzen eine flächendeckende Versorgung mit Kinderspielplätzen gewährleistet werden.

  2. Geeignete Spielplätze sollen unter Berücksichtigung des vorhandenen Bestandes eine einfachere Ausstattung erhalten, bei der vermehrt auch auf Spielmöglichkeiten für kleinere Kinder geachtet werden soll (Basisspielplätze).

  3. In jedem Ortsteil soll mindestens ein Spielplatz eingerichtet werden, der eine überdurchschnittliche Ausstattung erhält (Plus - Spielplätze).

  4. Der Spielplatzbestand soll dem Nutzerverhalten angepasst werden.