Betreff
Kinder- und Jugendhilfeplanung
- Krippen- und Tagespflegeausbauplanung für den
Zeitraum 2010 - 2013 -
Vorlage
248/2010
Art
Mitteilung

Zur Sicherstellung eines bedarfsgerechten Platzangebotes und der Gewährleistung des Rechtsanspruches für alle Kinder ab vollendetem 1. Lebensjahr ab 01.08.2013 wurde am 05.03.2009 eine Ausbauplanung zur Schaffung weiterer Krippen- und Tagespflegeplätze bis 2013 beschlossen. Angestrebt wird eine Versorgungsquote von 35% der ein- und zweijährigen Kinder. Die Abdeckung eines möglichen Bedarfs für Kinder unter einem Jahr soll vorrangig über Tagespflegeplätze erfolgen.

 

Der Gesamtvorstand der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände befürchtet angesichts der dramatischen Entwicklung der Kommunalfinanzen, dass die Kommunen nicht in der Lage sein werden, den Rechtsanspruch ab 2013 zu erfüllen, wenn die Länder ihrer Finanzierungspflicht nicht nachkommen. Die Länder wurden daher aufgefordert, auf der Basis ihrer Konnexitätsregelungen die den Kommunen durch den Ausbau der Kinderbetreuung für unter Dreijährige entstehenden Kosten auszugleichen. Die geplante Bereitstellung von Krippenplätzen für 35 Prozent aller unter dreijährigen Kinder reicht nach Auffassung der kommunalen Spitzenverbände bei weitem nicht aus, um ab dem Jahr 2013 flächendeckend einen Rechtsanspruch auf Betreuung umzusetzen.“(DStGB Aktuell 4109 vom 09.Oktober 2009, Seite 9). Diese Befürchtung stützt sich im Wesentlichen auf eine Forsa-Umfrage, wonach sich rund 66 Prozent der Frauen, die in den nächsten 3 Jahren ein Kind bekommen wollen, eine Betreuungsmöglichkeit wünschen (vgl. Rundblick Nr. 2009/184 vom 08.10.2009).

 

In einem aktuellen Urteil des Verfassungsgerichtshofes Nordrhein-Westfalen vom Oktober 2010 zur Finanzierung des Ausbaus der Kinderbetreuung wird der Landesgesetzgeber verpflichtet, für den Ausbau der Kinderbetreuung bis hin zu dem ab 2013 geltenden Rechtsanspruch die Finanzierung sicherzustellen. Da die Kommunen davon ausgehen, dass die vom Bund bereitgestellten und von den Ländern weitergegebenen Mittel nicht ausreichen, wird nunmehr erwartet, dass auf Grund des o.g. Urteils nachgebessert werden muss. Der Niedersächsische Städtetag sieht die Landesregierung in der Pflicht, ebenfalls zu handeln bzw. klarzustellen, wie man sich die Finanzierung des weiteren Ausbaus der Betreuungskapazitäten vorstellt.

 

Situation im Stadtgebiet Laatzen

 

Seit dem 01.09.2010 stehen 99 Krippenplätze zur Verfügung. Dies entspricht einer Versorgungsquote von 14,4 % für zwei bzw. 9,7% für drei Jahrgänge. Eine Übersicht über das Krippenangebot kann der Tabelle 1 entnommen werden.

                                                                                                                 

Tabelle 1:  Krippenplätze

Stand: 01.10.2010

 

 

 

 

 

 

Einrichtung

Platzangebot

belegt

Auslastung

in %

Warteliste: Aufnahme erwünscht mit…

 

 

 

 

1 Jahr

2 Jahren

An der Masch

15

15

100,0%

7

7

St. Mathilde

15

9*

60,0%

St. Marien, Ohestraße

4

4

100,0%

 

 

Sudewiesenstraße

15

15

100,0%

9

5

Hermes Kids (Messe)

5

5

100,0%

10

15

Wülferoder Straße

15

15

100,0%

Brucknerweg

15

15

100,0%

Sehlwiese

15

15

100,0%

15

11

Gleidingen

0

 

 

4

5

Ingeln-Oesselse

0

 

 

2

3

Insgesamt

99

93

0,0%

47

46

* noch in der Aufbauphase wg. Neueröffnung. Restliche Plätze sind bereits vergeben.

 

Durch das Familienservicebüro wurde eine Intensivierung der Tagespflege erreicht. Derzeit sind 32 Tagespflegepersonen registriert, die 147 Betreuungsplätze vorhalten (siehe Tabelle 2), hiervon sind z. Zt. 114 – davon 94 mit Kindern unter drei Jahren ‑ belegt. Seit Einrichtung des Familienservicebüros wurden über 100 neue Tagespflegeplätze geschaffen. Von den 32 registrierten Tagespflegepersonen verfügen 30 über eine qualifizierte und zwei über eine einfache Pflegeerlaubnis. Es werden nur Tagespflegepersonen mit gültiger Pflegeerlaubnis aktiv vermittelt. Tagesmütter ohne Qualifizierungsnachweis erhalten ein gekürztes Pflegegeld. Fast alle Tagespflegepersonen bieten ihre Dienste an fünf Tagen/Woche für täglich acht bis zehn Stunden an. Die Abdeckung der Zeiten zwischen 7.00 und 18.00 Uhr ist in der Regel unproblematisch, schwierig ist die Abdeckung der Randbetreuungszeiten vor 7.00 und nach 18.00 Uhr. Vier Tagespflegepersonen betreuen Kinder bei Bedarf auch am Wochenende und über Nacht.

 

Tabelle 2: Tagespflegeplätze                                   Stand: 01.10.2010

 

 

 

 

Stadtteil

Platzangebot

belegt

Auslastung in %

 

 

 

 

Alt -Laatzen

7

7

100,0%

Grasdorf

0

0

 

Laatzen-Mitte

39

26

66,7%

Rethen

49

46

98,9%

Gleidingen

20

11

55,0%

Ingeln-Oesselse

32

24

75,0%

 

 

 

 

Insgesamt

147

114

77,6%

 

 


Zuzüglich der 147 Tagespflegeplätze beträgt die Versorgungsquote für die 1‑ und 2jährigen  35,7%, bezogen auf die 0‑ bis unter 3‑jährigen beträgt sie  24,1%. Damit liegt die Versorgungsquote deutlich sowohl über dem niedersächsischen Landesdurchschnitt (11,9 %) als auch dem Durchschnitt aller westdeutschen Bundesländer mit 15,0 %.

 

Eine in 2007 in Laatzen durchgeführte Fragebogenaktion ergab einen Bedarf von ca. 160 Plätzen. Aktuell ergibt sich unter Einbeziehung der 207 belegten Krippen‑ und Tagespflegeplätze sowie der Anmeldeliste für die Krippen ein Bedarf von 35% für die Ein- und Zweijährigen. Auch wenn der Bedarf durch das große Angebot an Tagespflegeplätzen derzeit weitgehend gedeckt wird, lässt diese Entwicklung einen weiteren Anstieg des Bedarfes spätestens ab 2013 erwarten, so dass davon ausgegangen werden kann, dass die oben beschriebenen Annahmen der kommunalen Spitzenverbände nicht unrealistisch sind. Um zeitnah einen Überblick über den zukünftigen Bedarf zu erhalten, wird allen Eltern bei Beantragung des Elterngeldes seit Juli 2008 ein Fragebogen ausgehändigt. Im abgelaufenen Kindergartenjahr wurden 297 Fragebögen ausgegeben, der Rücklauf liegt bei 33 Prozent.

 

Die Altersgruppe der unter Einjährigen spielt nach wie vor bei der Berechnung der erforderlichen Versorgung in Laatzen keine Rolle. Der überwiegende Teil der Eltern nimmt das Elterngeld, das für zwölf bzw. max. vierzehn Monate gezahlt wird, in Anspruch. Die wenigen Betreuungswünsche können danach weiterhin über die individuelle Betreuungsform der Tagespflege geregelt werden.

 

Auch wenn die Nachfrage nach Tagespflegeplätzen in den letzten Jahren zugenommen hat, überwiegt bei den Eltern der Wunsch nach einer Krippenbetreuung. Rund 50% der Eltern nehmen derzeit die Tagespflege alternativ für nicht vorhandene Krippenplätze oder zur Abdeckung von Randbetreuungszeiten in Anspruch. Da der Rechtsanspruch erst ab vollendetem ersten Lebensjahr gelten soll, sind unter Berücksichtigung dieser Fakten noch weitere 72 Krippenplätze zu schaffen, das rechnerische Soll für Tagespflegeplätze ist bereits überschritten (Tabelle 3).

 

In 2010 ist das Angebot durch die Eröffnung der neuen Krippe im kath. Kindergarten St. Mathilde um 15 Plätze erhöht worden. Der Bau der geplanten Krippengruppe im Thomaskindergarten konnte in 2010 noch nicht realisiert werden. Die Fertigstellung ist nach nunmehr gesicherter Finanzierung für das kommende Jahr vorgesehen. Hierdurch wird das rechnerische Platzdefizit bei gleichzeitigem Rückgang der Ein- und Zweijährigen von derzeit  689 auf 652 Kinder im Betreuungsjahr 2011/2012 noch 49 Plätze betragen (siehe Tabelle 4).

 

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt schwer einschätzbar ist der Einfluss des für 2013 geplanten monatlichen Betreuungsgeldes in Höhe von 150 Euro als Transferleistung für Eltern, die ihre Kinder nicht in eine Krippe geben wollen. Es steht zu befürchten, dass insbesondere einkommensschwache Familien eher die Geldleistung in Anspruch nehmen könnten und somit gerade Kinder aus diesen Familien das frühzeitige Betreuungs- und Bildungsangebot nicht nutzen können.

 

Ausbauplanung:

 

Zur Abdeckung eines möglichen Bedarfs der Kinder unter 1 Jahr kann vorrangig das Angebot an Tagespflegeplätzen herangezogen werden.

 

Danach ist neben der Schaffung der Krippe im Thomaskindergarten die Einrichtung von bis zu 4 weiteren Krippengruppen bis 2013 notwendig. Eine Umwandlung bestehender Kindergartengruppen in Krippen- oder altersübergreifende Gruppen aufgrund rückläufiger Kinderzahlen ist kurz- bzw. mittelfristig nicht absehbar.

 

Der größte Bedarf besteht in den Bereichen Rethen und Laatzen-Mitte. Für Rethen ist die Schaffung von zwei Krippengruppen mit dem neuen Kindergarten ab 2012 vorgesehen.

 

In Laatzen-Mitte besteht neben dem für 2011 vorgesehenen Krippenanbau an den Thomaskindergarten Bedarf für einen zweiten Standort.

 

In Ingeln-Oesselse wird der Bedarf z.Zt. von zwei sogenannten Großtagespflegestellen, in denen jeweils bis zu acht Kinder betreut werden können, abgedeckt. Bei zunehmender Nachfrage besteht auch die Möglichkeit, eine Krippengruppe an den DRK-Kindergarten Barmklagesweg anzubauen.

 

In Gleidingen gibt es keine Erweiterungsreserve. Allerdings könnte hier eher langfristig bei rückläufigen Kinderzahlen die Umwandlung einer Kindergartengruppe möglich werden.

 

Der Investitionsbedarf je Krippengruppe beträgt ca. 400.000-500.000 Euro. Die jähr-

lichen Vollkosten für den Betrieb einer Krippengruppe mit 15 Plätzen betragen ca. 120.000,00 €. Der Zuschussbedarf beträgt ca. 80.800,00 €. Dieser wird auf Grund der erhöhten Bundes- bzw. Landeszuschüsse ab 2013 jedoch sinken.

 

In Vertretung

 

 

 

 

 

Arne Schneider